Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464384
BÖCKLIN UND HANS VON MAREES 173 
Marees will herrschen; er wartet nicht auf den glück- 
lichen Moment (ich weiss Tage und Bilder, da wollte er nicht 
seine gute Stunde abwarten, nichts dem überlassen, was während 
der Arbeit zusammenschiesst; er wollte herrschen, und wenn 
er nachts um zwölf Uhr aufstand, wollte er zu jedem Werk 
ganz da sein): das ist sein Erworbenes, Erkanntes, also  
Böcklin ist subjektiv. 
Marees objektiv. 
Böcklin lässt es darauf ankommen, was ihm während 
der lösenden Arbeit die gute Stunde aus dem Schatz seiner 
Individualität zusammenschiessen lässt. 
Marees verrennt sich in die Sackgasse des Sichniegenug- 
thuns, nimmt die Mittel für den Zweck. Erkenntnis, Abstrak- 
tion, Begriff. 
Böcklin: all seine Liebe, Sinnigkeit, Innigkeit arbeitet 
mit. Er ist darin ganz deutsch. Seine Kunstwerke sind spontan, 
wie Märchen, wie Poesie  er ist wie der Frühling. 
Marees: mit Griechenkenntnis und Vergleichen be- 
schwert. Nichts Deutsches in seiner Kunst. Den Italienern 
verwandt, denen auch jede Anlage, jedes Verständnis oder Be- 
dürfnis für das Liebevolle, Intime fehlt. 
Böcklin will nie das Bedeutende oder gar Abschliessende 
machen, sondern nur sich. 
Marees arbeitet nur per far il grande. 
Böcklin umfasst alles. 
Marees ist nur bis zum absoluten Menschen gekommen. 
Nicht bis zum Gewand. Keine Blumen, keine Stimmung. 
Böcklin sagt: ich male mein Bild doch nicht wegen 
der Schwierigkeiten, die umgeht man. , 
Marees sagt: das ist mein königlicher Wille, der muss 
voll und ganz durchgesetzt werden. Fluchend macht er seine 
Sachen: ich will dir schon zeigen, ich zwing' dich schon! 
 Der I-Iauptunterschied zwischen Marees und Böcklin dürfte 
schliesslich der:sein: Der eine wollte sich immer strecken und 
recken, damit er soweit käme wie die Altenf) oder wie die 
Renaissance, also wie andere schon gekommen waren  er 
  wWas geht mich die Antike am, sagt dagegen I-Ioffart, als moderner 
Bildhauer, van deren Überschätzung ist schon mancher talentvolle junge 
Mann zu Grunde gegangenw  Durch ihre Unterschätzung auch. A. d. V.
        

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