Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464368
BÖCKLIN UND HANS VON MAREES 171 
Häufig wandte er als Redensart den Goetheschen Vers: 
„Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg", an, den er wie 
entschuldigend für sich verbrachte. Und ebenso boshaft: „Man 
soll nie sagen, was'ne Sache ist." Allerdings ist das letztere 
sozusagen das Motto seiner Selbstungenügsamkeit. 
Marees wusste nicht, 0b das was Bruckmann brachte, 
Schneeglöckchen oder Maiglöckchen waren. Ich bin kein 
Blümchensucher. (H i l d eb ran d macht ihm das nach.) 'Er kennt 
keine Liebe für das Kleine, für den Geruch,  keine Spur von 
deutscher Intimität, Sinnigkeit. (vUm Dürers willen wäre ich 
gewissLnicht Maler geworden" [so wenig Marees Dürer nachem- 
pfandf so wenig imponierte ihm Rubens. Als Künstler gar nicht 
sehr. Er war ihm zu oberflächlich, schnell zufrieden, Dekorateur. 
ja freilich, Rubens beherrschte das All und malte zahllose Bilder]). 
Böcklin dachte bei jener Blumenscene natürlich: 0 du .   
„Wo stehen solche Dinger?" fragt Hildebrand, durch 
ihren starken Geruch auf Veilchen aufmerksam gemacht, die 
jemand in der Hand trägt. 
 „Grad hier an jhrem Haus, wo alles vollblüht, habe 
ich sie gepflückt." 
Er wusste das gar nicht. Dergleichen Nebensachen wie 
Frühling und Veilchen gingen ihn nichts an. 
Da jenen nun ihrer männlichen Anlage gemäss doch etwas 
Lebensaufgabe sein musste, so wurde es das Allgemeine. Philo- 
sophiert wurde viel, besonders Spinoza. 
Ich denke immer, das jüdische Blut, das in beide hinein- 
spielt (Hildebrands Mutter war eine Jüdin, ebenso Marees, 
Grossmutter, wenn ich nicht irre), kann dabei mitgewirkt haben. 
Marees war technisch und persönlich ungeschickt. Wenn 
er sagte: „so muss man den Pinsel halten" (er lehrte ja so gerne), 
lief ihm der Terpentin in den Ärmel; bei den grossen gelben 
PHaumen auf Ischia (die wir assen, während der Bursch lang- 
sam vom Cafehaus her mit dem Kaffee durch die Sonne über 
die weisse Strasse kam), ging's ihm ebenso. Er konnte sie nicht 
brechen, sondern zerquetschte sie, und der Saft lief ihm in die
        

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