Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462429
VORBEMERKUNGEN DES HERAUSGEBERS 5 
 
Leuchtkugeln des grossen Düsseldorfers, und seine Malerei 
erscheint noch einfacher, grossartiger und rücksichtsloser. 
Böcklins Poesie erscheint den Wenigsten verständlich. 
Meinetwegen. Die Malerei ist überhaupt kein Mittel, um Ge- 
fühle oder Gedanken deutlich auszusprechen, sondern nur um 
anzuregen, und es dürfte dem Werte eines Bildes wenig 
schaden, wenn jeder Empfindungsfahige von ihm in anderer 
Weise berührt erschiene. Noch heute z. B. streiten sich Ge- 
lehrte und Ungelehrte ganz ernsthaft darüber, was Tizians 
„Am0r sacro e profano" schliesslich vorstelle. Adolf Stahr 
erzählte mir sogar eine ganze Novelle, die er aus dem Bilde 
herausgelesen hatte. Ich habe bis heute noch nicht bemerkt, 
dass dasselbe durch irgend eine neue Erklärung besser oder 
schlechter geworden wäre, oder dass es dadurch an Wirksam- 
keit gewonnen hätte. Vielmehr muss ich gestehen, dass ich 
vor diesem Bilde stets den höchsten Genuss empfinde, wenn 
ich lediglich die Augen aufmache  in mir steigt dann jedes- 
mal erwärmend das Gefühl auf, als hätte ich einen Blick in 
die eleusinischen Gefilde der Schönheit {thun dürfen  will 
ich mehr, fängt der Verstand an zu fragen, so fallt der Vor- 
hang. Und ich habe diese Probe oft genug gemacht vor dem 
Original in der Galerie Borghese und vor der Kopie, die seit 
Jahren über meinem Schreibtisch hängt. 
Auch bei Böcklin ist die Schönheit eine derartig tausend- 
faltige, unabhängige, die sich wohl an hundert Einzelheiten 
nachweisen lässt, als Ganzes aber dennoch nur je nach der 
Subjektivität des Beschauers empfunden werden kann. „Das 
ist grosse Malerei" f), sagt der Eine. Gut. „Das ist eine See, 
vor der selbst dem Seemann graust. Das ist der Tod alles 
menschlichen Lebens, die menschenfeindliche Natur selber, mit 
dem Wenigsten gemacht." Auch wahr. „Und da wo alles 
 Gemeint ist: „Triton und Nereide auf der Felsklippe" (oder „Vor 
dem Sturm") 1875. Böcklinwerk der Phot. Union Band I, 27 Besitzer: F. A. Sim- 
rock, Berlin. A. d. H.
        

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