Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464294
 
Schnurgerad und unbarmherzig, nirgends kümmerlich, Klar- 
heit, männliche Kraft, Entschlossenheit überall, ja,  aber das 
sind ja lauter Vorbereitungen. Er kommt ja nicht zu dem 
was er will und stirbt darüber, und wenn er hundert Jahr alt 
wird. Er ist mit seinen ewig ungenügsamen Abstraktionen auf 
dem besten Wege, die Mittel für den Zweck zu nehmen. 
Die Welt besteht doch nicht bloss aus nackten Menschen, 
sondern aus tausend anderen Dingen, die dem Künstler zu- 
gänglich sind.  
t t i 
Er blieb dabei: es kam ihm nur darauf an den bewegungs- 
fähigen Menschen im Zusammenhang zu erkennen, künst- 
lerisch zu erfassen. (Obgleich er zunächst das Wichtigste be- 
tonte, übersah er. doch nichts, was zur Mechanik des Ganzen 
gehört.)  
Nur auf den Zusammenhang des Körpers kam es ihm an. 
(„Der Kopf ist bloss ein Knopf. Wurscht. Aber das z. B. 
herauszubringen, worin es liegt, dass der so lässig dasitzt, das 
ist eine Sache." [Die Beine waren nach ihm das Schwerste 
 „n'icht bloss, weil daran alles überall so drumherumgeht  
das ist bei den beweglichen Armen auch nicht leichter  aber 
auf den Beinen steht man, sie tragen die ganze Figur und ihre 
Bewegung. Fehlt es da im Geringsten, gleich ist der ganze 
Kerl nicht in Ordnung".]) 
Vom Skelett wusste er nicht viel. Das ging ihn auch 
gar nichts an. 
Perspektive ist Unsinn, sagt er. Aber dafür war sein 
Geheimnis, das ihn die Erfahrung gelehrt, dass alle seine Figuren 
sich stets überschnitten. Allerdings tritt begreiflicherweise das 
Überschneidende schon dadurch vor, dass es dies ist. 
„Ach was, schön! iEin Ding an seinem rechten Fleck 
ist schön" (vergl. Böcklin: „Kolorismus! Unsinn. Farbe ist 
dann schön, wenn sie ihren Zweck erfüllta). 
Niemals geistreich sein wollen, nur nicht posieren, 
das war sicherlich eine der ehrlichsten Sorgen Marees. Ein 
unerbittlicher Verstand, ein ebensolches Herrscherbewusstsein, 
Souveränetätsgefühl erfüllte ihn und trug sein ganzes künst- 
lerisches Wollen.
        

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