Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464288
BÖCKLIN um) HANS von MAREES 167 
 
Strebungen anderer, (z. B. einen Schimmel in der Sonne vor 
einer weissen Mauer) dann Porträts wie sie später Lenbach 
wieder aufnahm, (nur hat er [Lenbach] nie diese ersehnte fette 
Rembrandtische Breite erreicht) und das war schon nichts als 
Versuchen, Suchen, Lernenwollen. Er ist dann später in ein un- 
erbittliches, immer tiefer grabendes Formenstudium aufgegangen. 
Alles, was sich nur künstlerisch erreichen und ausdrücken liess, 
suchte er durch die Form zu bewältigen, immer wollte er nur 
lernen, lernen, um tiefer zu dringen, einfacher mehr zu geben. 
Er ist darüber den Zeitanschauungen und Modestrebungen sehr 
fremd und feindlich geworden, und die Zeitgenossen werden 
fragend vor seinen Bildern stehen. Man wird sich mühsam an 
ihn gewöhnen müssen, ebenso wie man sich an Böcklin erst 
hat gewöhnen müssen. 
Marees (der früher alles mögliche machte) sah, bei seiner 
philosophisch angelegten Art, dass unsere heutige Kunst die 
älteste, schwierigste, grundleglichste und ewige Grundfrage alles 
künstlerischen Interesses überall vernachlässigte oder umging: das 
Begreifen des menschlichen Körpers in seinem Zusammenhang. 
Er warf sich nun ganz auf diesen Punkt, in welchem er zu 
unglaublichem Bewusstsein und klarstem Können kam. Er zeich- 
nete für seine Schüler  Bildhauer z. B. einen Akt von vier 
Seiten im Gespräch hin, damit diese die Hauptsachen begriffen 
hätten, bevor das Modell kam. („Glauben Sie aber nicht, dass 
das mit der Kunst etwas zu thun hat, was wir hier treiben. Das 
kommt noch weit vor dem Anfang," sagte er dabei.) (Marees' 
Zeichnungen sprechen nicht  wie die der alten Meister oft  
für das, was er gekonnt. Er zeichnete ja nicht, um eine Zeich- 
nung herzustellen, sondern nur für seinen Zweck im Bilde.) 
„Der Mensch", der Mensch in der Natur war das, 
was ihn ganz erfüllte. Bis zum Gewand, seinen Gesetzen und 
seiner Rolle im Zusammenhang  wie Michelangelo  kam 
er nicht. (Wurde auch nicht so alt.) Er sei ein Anfänger, 
meinte er und könne sich noch nicht soweit vorwagen. (Andere 
Lebewesen: Pferde, Hunde etc. gehörten schon in seinen 
Bereich. Eine Menge Blätter von ihm sind nur Gespräche mit 
dem Rötel über dies oder jenes Tier: so würde ein l-Iund das 
machen, ein Wolf dabei so aussehen.) 
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