Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464271
 
wenn er jahrelang sich mit ihr und seinen (unzulänglichen) 
Mitteln herumbalgen sollte. 
Böcklin, der von vornherein nur innerhalb seiner Mittel 
denkt, stutzt bei der ersten Schwierigkeit, sagt vielleicht zu der 
Idee nochmal: dreh, dich mal um, ob's dann geht  dann ist's 
aber auch gleich aus: das Ding muss von vornherein falsch 
gedacht sein  weg damit! 
Dem Mareesschen Selbstterrorismus war Böcklin zu be- 
weglich, zu leicht  was kümmerte den eine Schulterverkürzung, 
wenn er nur das Bild hatte. Marees musste aber gerade die 
auch haben, und wenn auch aus dem Bilde nichts werden sollte 
oder das Bild daran zu Grunde ging. 
Und so malte Marees schliesslich wegen der Schwierig- 
keiten, Böcklin trotz ihrer. 
Marees hat seine philosophisch ausgetiefte Vorstellung 
und quält um ihrer künstlerischen Verwirklichung willen die 
Mittel. Bei Böcklin sind Vorstellung und Mittel eins, zu gleicher 
Zeit geboren, übersehen, überlegt, und dann wird so ein Bild 
das einfachste, klügste Rechenexempel, das möglich ist: „was 
kann ich machen, wie weit reicht die Palette, was kann sie 
aussprechen, was muss ich haben, um das und das auszudrücken 
 und übrigens muss ja nicht alles gemalt werden, was einem 
einfällt." Dabei ist er natürlich der gleiche Poet geblieben. 
Wer wird sich selber los! Er kommt sogar dem Publikum, 
soweit es sein künstlerisches Gewissen erlaubt, entgegen, er 
will verständlich werden, deutlich sein, Freude machen, während 
Marees sagt: Maul halten! Das (sein Bild) ist die Manifestation 
einer Individualität. Anschauen, zu ergründen versuchen und 
sich davor verneigen! Denn was giebt es Höheresii; 
Böcklin dagegen sagt: „Das Typische, die Abstraktion im 
Sinne Marees's ist nichts. ObjektiveMenschen, gedachte Menschen, 
wie sie vielleicht hätten sein sollen, giebt es nicht. Man muss 
verständlich, durchsichtig seine einzelnen Vorstellungen aus- 
sprechen." Er freut sich auch jedesmal ehrlich, wenn einer vor 
ein neues Bild bei ihm tritt und seine oifene Freude daran hat. 
Marees dagegen sagt: Ein Laie versteht davon doch nichts. 
Die andern Knoten auch nichts. Hinaus! 
Was man vor 1868 in München Kolorismus nennen 
zu sollen glaubte, malte Marees lange vor ähnlich bewussten
        

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