Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464175
 
habe nie mit Hildebrand über seine Kunst gesprochen. War 
indessen in Florenz mit Karl Hillebrand bei ihm und sah 
sein nwuvre" in Gips, sowie mancherlei Neues in Gipsmodell 
und Marmorarbeit bei ihm. Auch in Thon arbeitete er gerade 
 ich glaube Fiedlers und Hillebrands Büsten. Ich sprach 
davon abends bei Rossi im Palazzo Strozzi zu Böcklin. Er 
war aber ziemlich indifferent.) 
Wenn er in die Tiefe gehen kann, der menschlichen Natur 
nach, bis auf die Knochen  also in der Porträtbüste  ist 
Hildebrand ganz famos, als Bildhauer also,  als Künstler 
dagegen traurig, da fällt ihm gar nichts ein. 
Bei solcher Arbeit 1') (Porträtbüste) ist alles sachlich, nichts 
persönlich. Hat er ihn mal, so lässt er ihn auch nicht wieder 
los, bis alles drin ist, was sichtbar. 
(Sachlich, rein sachlich sind wohl nur die Masse, nachher 
fängt schon die persönliche Arbeit an, das Material tritt in seine 
Rechte, ich kann nicht mehr die Dinge machen, sondern ihren 
Schein, Haare kann ich aus Marmor nicht machen, sondern nur 
etwas, was den Eindruck davon wiedergiebt.) 
Das System hat er nach der Natur durchgebildet und mit- 
genommen, dann aber das Feinere, Lebendige aus der Erinnerung, 
nach Notizen und kleinen Zeichnungen und sonstigen Gedächt- 
nishilfsmitteln in Florenz fertig gemacht und hergeschickt. 
Büste des Herzogs Karl Theodor,  als solche vor- 
züglich. Genie gehört dazu keins. Eigentlich sollte das jeder 
lernen können. Nur Besonnenheit, kluger Verstand. Das 
Sachliche ist ihm gegeben, die nötige Abstraktion wird durch 
die Übersetzung in ein anderes Material erzwungen. Da macht 
er, was ihm scheint, sonst was vor ihm ist. Die höhere 
Modellarbeit. 
Wie ein Renaissancebildhauer, ja. Nur hat er nicht die- 
selben gesunden Gründe dazu wie einer von denen. 
Hildebrand bringt es auch noch dahin, dass sich kein 
Mensch mehr für ihn erwärmen kann. Wenn die Leute erst 
anfangen: „Wie, mag ich das?" also mit dem Verstand lösen 
wollen, ist's zu Ende. 
  Auf welche Büste sich die folgenden, Anfang 1889, in München 
niedergeschriebenen Notizen beziehen, konnte ich nicht eruieren. A. d. H.
        

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