Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464150
154 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
Abbozzatorel Warum nicht? Ob der, der's fertig macht, 
rote oder schwarze Haare hat  was geht's mich an! 
Freilich ist zu bedenken, dass sich der Bildhauer sehr 
wohl seinen geschickten Marmorarbeiter  heutzutage  ziehen 
darf, wenn er nur das entscheidende Übergehen in Hand und 
Meissel hat. 
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Wenn ein Bildhauer als Erfinder soweit ist, dass er die 
Stellen, wo das Licht aufprallt, fest bestimmen kann  wie 
Marees in seinen Aktzeichnungen für Bruckmann  dann 
hat er als Bildhauer leichtes Spiel. 
Natur und Kunst. Bronzen im Freien. Wenn diese 
dumme Natur an dem durch und durch absichtlichen, fertigen 
Werk herum schweinigelt (sie giesst darauf herunter, was sie 
hat)  in dieser Beziehung hat sie gar nichts mit Kunst und 
Kunstwerk zu thun. Wenn der Künstler patiniert, weiss 
er, dass er seinem Werk nachhelfen, ein bewusstes Ausdrucks- 
mittel im Sinne einer farbigen Skulptur anwenden will. 
Atelier! sagen die Franzosen. Studio  die Italiener 
 das gilt" für jeden vartiste" oder "artista"  warum sagt 
ihr Bildhauer nicht „Werkstatt"? Weil ihr nicht werken 
könnt, sondern wenn das bisschen Erfindung hineingeknetet ist, 
Leute braucht, die das Handwerk verstehen und euch zum 
Sichtbarwerden verhelfen können. 
Das ist der eine Standpunkt. 
Der andere  wenn Böcklinisch, richtig, sonst immer 
falsch und faul  sagt: ich erfinde. Das ist der Geist. Es 
wäre schade um die Zeit, das auszuführen; denn das kann auch 
durch andere geschehen. Was kann ich nicht inzwischen Neues 
erdenken! Wenn -ja. Meist aber gehört auch für den Genialsten 
dazu, dass er das, was sein Abbozzatore macht, im wesent- 
liehen der Marmortechnik, auch könnte und bewiesen hätte. 
Der Bildhauer kommt um diese Kraftprobe nicht ungestraft 
herum. 
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