Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464098
 
zubringen", schreibt mir Bruckmann am 28. Mai 1888 aus 
Zürich und Böcklins Atelier. 
Die Bildhauerarbeit kann für die Bemalung nicht vfini" 
genug sein. Der beste, klügste Böcklin kann sonst nichts 
machen. Mit Löcher hineinschlagen, wie beim Hals des Moses 
von Michelangelo (der der erste Skizzenmacher war), um nur 
die gewollte Wirkung zu erzielen, ist da für die farbige Behand- 
lung nichts zu machen. Die Farbe bringt alles an den Tag. 
Man sehe nur die Griechen an. Sie hatten doch auch Besseres 
zu thun, als den Abozzatore, den blossen Fertigmacher zu spielen. 
Die Zeit war damals für den Eriindenden ebenso kurz, der 
Marmor just so hart, die Bronze gerade so schwierig zu behan- 
deln, wie heute. Und doch haben sie ihre  bemalten  
Skulpturen völlig fertig gemacht und nicht auf Wirkung hin 
behandelt. Sie können das nur darum gethan haben, weil sie, 
die erfahrensten Techniker der polychromen Plastik, die Un- 
möglichkeit anders zu wirken, genau kannten. Freilich lag die 
Verführung nach rein dekorativer Wirkung durch die Bild- 
hauerei allein ihnen nicht nahe, da sie für diese auf die Farbe 
rechneten. 
Zur Technik: Eine grosse Schwierigkeit für den nicht 
absolut Sicheren: Man kann wohl mit dunkel über hell lasieren, 
aber nicht mit hell über dunkel, das wird sofort schmierig. 
Heller konnte z. B. Bruckmann das Gesicht seiner Mädchen- 
{igur nicht mehr bringen, was doch, da ihm das Vollenden der 
roten Haare den Fleischton ganz veränderte, nötig gewesen 
ware. 
Weit abseits von den ins Volk gedrungenen Hauptsätzen 
einer ererbten Ästhetik und ebenso entfernt von den einseitigen 
Bestrebungen der modernen Kunst steht Böcklin. Und doch 
dürfte niemand sich über seine Kunst klarer geworden sein, 
niemand sich allseitiger mit ihr beschäftigt, sie allseitiger ernst 
genommen haben und nur in ihr denken und leben wie gerade er. 
Ich bin der Meinung, dass dieser nicht eigensinnige, uni- 
verselle Maler für uns die Malerei der Zukunft bedeutet (über- 
haupt für die bildende Kunst vielfach wegweisend sein wird), 
wenn sie eine haben soll.
        

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