Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464079
145 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN um) ENTWÜRFE 
arbeitet, die auf Farbe gedacht ist, meint, dass man in solchem 
Falle es als unerlässlich empfinde, ganz aus der Vorstellung, 
zielbewusst allein, zu arbeiten, immer nur an das Ganze, Beab- 
sichtigte zu denken  nie nach der ja an sich interessanten 
Natur, wie sie einem der Zufall oder die Wahl als scheinbares 
Hilfsmittel ins Atelier führt. Weit weg vom Modell. 
Böcklin hat Bruckmanns Rundrelief: Madonna mit 
Kind (1888) bemalt. 
Man sieht daran also eine Meinung über Polychromie ausge- 
sprochen, von einem Manne, der interessieren dürfte, und die ich 
verbreitet sehen möchte, da ich der Sache eine Zukunft wünsche. 
Wir hatten im Atelier (München) zwei Exemplare, eines 
bemalt, eines unbemalt. Das bemalte vor mir in seinem milden 
Glanz, seiner weichen Deutlichkeit, soll dasselbe sein, wie das 
kalte, fast unsichtbare und durch das Licht ganz ungewollt und 
falsch wirkende Gipsrelief. Gips und nichts das eine. Weich 
und still das andere  ganz vom Standpunkt unabhängig. Man 
sieht, die weissen etwas harten Blumen im Rahmen mussten 
von Anfang an gedacht sein, um diese Milde herzustellen. 
(Wäre Böcklin da, so würde er die weissen Blumen des Rahmens, 
die Barth etwa violett oder blau sich dächte, als notwendig nach- 
weisen und die Rechnung machen wie ein Wirtshauskonto. 
Vielleicht nehmen die Blumen das Licht aus dem Fleisch heraus, 
 aber es ging nicht anders. Die ganze Palette war erschöpft. 
Andrerseits treiben sie das „Bild" zurück und lassen den 
Rahmen als etwas anderes, zweites erscheinen, lassen das Bild 
für sich und schaffen Raum.) Die Haare, Augenbrauen, Lippen 
zunächst mal  um keine kalten stumpfen Töne zu haben  
mit Gold resp. Silber unterlegt. Mit dem kalten Glanz hört 
das Leben, die Teilnahme daran auf. Wärme! 
Die hohen Lichter hat man mit Wachs in Terpentin ab- 
gedämpft. Wenn nun gar noch der Reiz des Marmors und der 
Marmorarbeit hinzukommt! 
Diesen farbigen Gegenstand kann man in fast jedes Licht 
hängen. 
Die Bruckmannsche Arbeit ist ja nichts Vollendetes, son- 
dern nur ein Entwurf (und die erfahrungsmässige Wahrheit ist,
        

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