Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464052
144 BÖCKLlN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
eigener Mythologie tragenf") Die eine, ganz Dienerin, soll 
leuchten, in einem Treppenhaus etwa, folglich reckt sie den 
Arm und biegt sich vor. Die andern zwei, Hermen, sind rechts 
und links von der Thür gedacht, als Portiers. Sie glotzen ins 
Leere (die Glasaugen wirken so blöd und stumpf, so wenig 
lichtgewohnt, sehen einen nie an, sondern ins Nichts, weil das 
Licht immer von der Seite durch die vorgequollene Iris fällt). 
Alles Übrige, nicht mehr Wesentliche, iist unbelebt, einfacher 
Pilaster, nicht einmal verjüngt. (Das ist doch wohl etwas rück- 
sichtslose Konsequenz.) Aber das soll stark und straff doch 
zugleich auch wieder gleichgültig sein, damit das Auge von den 
Augen da oben gefesselt wird. Zudem steckte der Rest ja doch 
im Portierrock. 
Böcklin tritt damit voll und ohne Vorbehalt ölfentlich für 
die farbige Plastik ein. Wie er freilich sein Publikum finden 
wird, welches aus seinem reinen Versuch eines Beweises Be- 
lehrung ziehen will oder kann, ist unklar. Schon als Maler 
wird er dekorativer skulpieren als ein moderner Marmor- 
techniker. Zudem kommt es ihm in seiner simplen Künstler- 
schaft nicht darauf an, das zu treffen (oder nur darauf zu achten), 
was gerade „schön" heisst, oder was man an Geschicklichkeit 
etc. etc. jeweilig besonders hochachtet. Seine Figuren, die eines 
Malers, brauchen ja die „malerischen" Kunststücke der Bild- 
hauer nirgends zu erreichen  sie werden aber ein an jenen 
grossgezogenes „Kenner-" oder „Feinschmecker-" Publikum 
schwer überzeugen. Auf Leute, welche die Frage ernsthaft 
nehmen  sie nur einmal wieder auf ihren natürlichen 
Boden gestellt sehen wollen, kommt es erfahrungsgemäss 
zunächst nicht an. Die Gewöhnung hat das Wort. Ruhe in 
der Minorität! Und ich fürchte, diese Ruhe wird eintreten. 
Denn schliesslich, lebt auch der Künstler von seinen Wählern. 
Leider! 
Böcklins neuer Stuck (von Prof. Hauenschild in Zürich, 
hergestellt in der Fabrik von A. Fleiner in Aarau). 
 Ist bekanntlich nicht geschehen. Nur der eine Paddex, 
war, wurde ausgestellt, die anderen zerfielen. A. d. V. 
Stuck 
der 
aus
        

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