Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464049
FARBIGE SKULPTUR 143 
besonders in der Bemalung. Im Marmor, der durchscheinend 
ist, ist diese Sache schon recht. 
Ein Material kann einem Freiheiten geben, die man sonst, 
selbst in der Bronze, nicht erreicht. 
Andererseits aber zwingt es mich wieder, während der 
grössten Zeit der Arbeit, bis zu einem gewissen Punkt der 
Ausführung, ihm Rechnung zu tragen, macht mich durchaus 
abhängig, begrenzt mich. 
Dann aber kommt der Moment, wo der blosse Künstler 
das Wort hat, allein: Gott sei Dank! Jetzt kann's losgehen, das 
Material tot zu machen. 
Das klare Korn des Marmors sieht man nur sehr nahe- 
bei", aus der Ferne nicht. Immerhin hat ja niemand etwas 
dagegen, dass der es benutzt, der seinen Vorteil darin sieht. 
Nur muss man nicht immer auf das „edle Material" zurück- 
kommen. 
Material! Kostbar oder billig, ist ganz gleich. Nachgiebig, 
brauchbar, leicht zu überwinden, heisst die Forderung. Die 
Kunst ist ein Kampf mit dem Material  man kann nie etwas 
besseres von ihm reden, als dass es leicht überwindbar sei. 
Es kann nur darauf ankommen, es als solches ganz vergessen 
zu machen, erst da kommt der Künstler zu Wort. 
Wenn die Dinge im Kunstgewerbe etwas anders liegen, 
so hängt das so zusammen: Auch im Künstler steckt notwendig 
viel begabter und interessierter Handwerker. Fingerzeige be- 
kommt dieser, je feinfühliger er ist, umsomehr, wie er das 
Material bei seinen Schwächen packen, seine Stärken ausnutzen 
und ganz unter seinen Willen beugen könne, mit seinem Leben 
zu füllen vermöge. Und nutzt also der Künstler sein Material 
aus, so ist der Kunstgewerbetreibende, der Nutzgegenstände 
macht, materielle Sachen, und dabei auf den handwerklichen 
Betrieb und das Bedürfnis der Menge angewiesen ist, geradezu 
auf die Ausnutzung jenes unvermeidlichen Restes einer Herr- 
schaft des Materials und seiner eigentümlichen Bildefähigkeit 
hingewiesen, hat sich sogar durch dieselbe anregen lassen. 
Böcklin wird auf der Jubiläumsausstellung (Berlin) mit 
drei farbigen Skulpturen vertreten sein, die er mit Bruckmann 
zusammen gearbeitet hat: einer leuchtenden Sklavin und zwei 
I-Iermen, die Köpfe der bekannten Meer- und Sumpfgötter
        

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