Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464026
FARBIGE SKULPTUR 141 
tiven Kunst", von jener, die sich „dem Kunsthandwerk nähert", 
und wie die Spässe der modernen ästhetischen Kleiderordnung 
heissen, stellt sich zur Wahrnahme der ästhetischen Interessen 
rechtzeitig ein. Herrliche Helden führen den Chorus  Herr 
Paul Lindau, Herr Dr. Dircks etc.  während die frühere 
archäologische Opposition, nachdem sie die Wahrheit einmal 
nicht mehr leugnen kann, sich unverdrossen ans Werk macht, 
die anfangs Unbequeme nun auch möglichst klar und ganz zu 
Tage zu fördern. 
(Die Geschichte von der farblosen Skulptur und Archi- 
tektur im Altertum glaubt kein Mensch mehr, der in Betracht 
kommt, die Historie von dem also Nichtfolgen der Antike, 
sondern einen besseren Geschmack haben, glauben auch nur 
noch die Beteiligten  wohl aber, dass die Bildhauerei in Er- 
mangelung anderer auf der G-Saite allein hat spielen lernen 
und nun diese Geschicklichkeit nicht umsonst erworben haben, 
sondern weiter vormachen wilL In der Not frisst der Teufel 
Fliegen und mag es darin auch wohl zur Virtuosität bringen.) 
Einen wesentlichen Einfluss auf unsere Entfremdung von 
der Farbe, auf unseren Sinn für das Sachliche und Stoffliche, 
dürfte ausser dem Raffinement der Marmortechnik, das „Schwarz 
und Weiss" haben, in jedem Sinn, vor allem in dem der Re- 
produktion. Durch Photographien etc., Radierungen etc., Holz- 
schnitt etc. sind überall wohl gewisse Kenntnisse verbreitet, 
man hat Vorstellungen erwecken können  aber immer andere 
als der Maler beabsichtigen konnte, der mit anderen Faktoren 
und auf sie rechnete  wenn er Maler war. 
(„Die farblosen BegriEe", sagt Schopenhauer. Dies 
„farblos" ist auch als Beiwort für die Abstraktion gut zu ver- 
wenden, die die Mutter der farblosen Skulptur und Architektur 
ist. Farblos sind nur Begriff und Abstraktion, unmöglich die 
Anschauung und die auf ihr basierende Vorstellung.) 
Da steht die Herkulesschale des Hildesheimer Fundes 
vor mir. Oben am innern Rand ein ornamentaler Fries mit 
Hasen, Antilopen, Hunden und so was, die keine Hasen etc. 
sind. Ganz naiv, aber nett und lustig  das Band ist ja auch 
nur da, um das zufällig darüber hingleitende Auge einen Moment
        

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