Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464010
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BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN 
UND 
ENTWÜRFE 
und vollenden bis ins letzte  eigentlich zwecklos  wo es 
eine geistreiche Skizze thäte. 
Die Gegner stützen sich merkwürdig wenig auf das, woher 
sie kommen, auf die Antike Winckelmannscher Ästhetik. Sie 
führen sogar schon die römische Dekadenz für sich an und be- 
rufen sich auf die „malerische" Behandlung (im modernen 
Sinne) des Marmors, um nur die böse Farbe nicht zugeben zu 
müssen. Sie kümmern sich wenig um klassische Zeugnisse 
und behandeln spätere (Pompeji) als spätere, zusammenhangs- 
lose, sie, die Vertreter des Zusammenhangsprinzips. [Es ist denn 
doch stark, die bemalten Figuren (Statuen) auf pompejanischen 
Bildern nur als Beweis für römischen Geschmack des 1._Iahr- 
hunderts hinzustellen. Die Villa der Livia soll auch nicht 
mehr beweisen. Der darin gefundene Augustus auch nicht. 
Aber machte Rom den Geschmack der Griechen, die seine 
Kunst machten, oder nahm Rom die fremden Götter und Musen 
wie es sie fand? Thaten das nicht schon die Etrusker, die die 
Griechen imitierten und mit ihren Mustern Handel trieben? 
Hat Italien je Kunst aus sich selbst gezeugt? jedenfalls zur 
Augusteischen Zeit nicht und zur Zeit der Etrusker auch nicht. 
Also brachten die Griechen den farbigen Geschmack. Dass 
sie ihn in archaistischen Zeiten besassen, wissen wir  dass 
sie ihn zur Zeit des August übten, wissen wir auch [an die 
Dummheit bloss vergoldeter Haare '(der Venus von Medici) 
wird kein Kunstverständiger glauben], dass ihre (Pausanias) 
und spätere Schriftsteller von farbigen Figuren, von berühmten 
Malern reden, die anstrichen, wissen wir auch. Woher also 
die Insinuation: die pompejanischen farbigen Figuren (auf Wand- 
gemälden) beweisen nur den Geschmack ihrer Entstehungszeitii] 
Sie wollen nicht zugeben, dass man die Frage einmal wieder auf 
ihren natürlichen Boden stelle, sondern pochen auf den Boden 
der Gewöhnung, auf dem sowohl die Führer stehen, die sich 
einmal festgelegt haben, wie die Menge, und sind nach gesell- 
schaftlichen Gesetzen wohl auch der Zukunft sicher. 
Das Lied von den alleinseligmachenden Alten wird also 
plötzlich nicht weiter gepfiffen. Anstatt zu sagen, dass wir im 
Irrtum waren und sie falsch verstanden, können die modernen 
Griechen plötzlich nicht mehr folgen, und die Alten sind na- 
türlich schuld daran. Das angenehme Wort von der „dekora-
        

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