Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464001
FARBIGE SKULPTUR 139 
er dagegen ist, so geschieht es, weil er viel kann und die 
farbige Behandlung nicht kann und das weiss), dass die Bild- 
hauerei etwas vermisste, was sie sich nun auf Kosten ihrer 
selbst, jedenfalls ihrer Monumentalität, auf rein marmortechni- 
schem Wege wieder zu erwerben lange genug versucht hat. 
Was man an die Stelle der Farbe in der Bildhauerei ge- 
setzt hat  gebohrtes Auge etc. ist viel gewaltthätiger als diese. 
Von hier aus allein wäre ein Rückbeweis für die Farbigkeit 
zu führen. 
Tiefen und beleuchtete Höhen machen sich gerade im 
besten Marmor Konkurrenz  etwas Braun, und die Sache 
ist da.  Man hat die Farbe durch andere Mittel ersetzt, die 
sowohl der statuarischen Kunst viel ferner liegen als auch jeder 
feineren Empfindung und Vorstellung wehthun müssen: Einen 
Blick z. B. durch ein tiefgebohrtes Auge herstellen zu müssen; 
Brauen, die der Bildhauer schon gar nicht machen kann, mit 
dem Spitzeisen einmeiseln, Wimpern durch Verstärkung der 
Lider herstellen, wo die beabsichtigte Schattenwirkung je nach 
der Beleuchtung ausbleibt oder verändert erscheint etc. 
Der Umstand, dass man bei antiken Skulpturwerken nur 
fleckenlosen Marmor findet, beweist mit, dass sie bemalt waren: 
denn die Eisenflecken etc. würden eine gleichmässige Behand- 
lung verhindern, wo es sich nicht um starkes Decken handelt. 
Der weissen Renaissance war die Fleckigkeit des Blocks nach- 
her denn auch kein wesentliches Hindernis. 
Es ist zuzugeben, dass man bei manchen  auch antiken 
Werken  unter den richtigen Umständen kein Bedürfnis 
nach Farbe verspürt. Vielleicht ist aber auch das nur ein un- 
verdauter Rest unserer weissen Erziehung. l 
„Farbigkeit der Skulptur"  ein Prinzip, gegen welches 
sich Bildungsphilister und Gewohnheitsbildhauer begreiflicher- 
weise feindlich verhalten. Sie haben es ja so herrlich weit ge- 
bracht  sollen sie an ihren kurulischen Sesseln rühren lassen? 
Wenn man farbig zu arbeiten anfängt, lernt man erst die 
Antike verstehen. Denn für die Zwecke einer bemalten Skulp- 
tur ist höchste Vollendung der bildhauerischen Arbeit und 
höchste Einfachheit nötig. Die Gegner der Farbe vollenden
        

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