Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463999
138 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
Hügel wird kein Bildhauer, der ein Künstler ist, vergolden, wenn 
er Marmor unter Händen hat.] All diesen Reiz kann der Bild- 
hauer nicht einmal nachmachen, und dabei soll er doch sogar 
noch mehr: er soll monumental sein, d. h. den Typus an die 
Stelle der Einzelerscheinung setzen. 
[Ebenso schwer geht es dem „Bemaler"l Mancher, der seine 
Vorstellung nicht einmal auf die Fläche werfen kann, glaubt 
Marmor „anstreichen" zu können. J a, da soll er merken, wie 
bald ihm die Mittel ausgehen, wie bald er mit Böcklin sagt: 
„es geht nicht, ich habe nichts mehr"  trotz der überlegtesten 
Rechnung, der rafliniertesten Ökonomie, der stärksten Wagnisse. 
Eine Erscheinung auf die Fläche projizieren kann bald 
jeder; aber die Reize der Natur nicht allein im Moment wieder- 
geben, sondern auch noch zu monumentalisieren, ohne dass zu- 
viel verloren geht  und mit wie geringen und spröden Mitteln! 
 das ist eine andere Sache).] Von den zarten Tönungen und 
sonstigen Ängstlichkeiten begriffe Böcklin sicherlich nicht den 
Grund ihres Daseins. „Das farbig Angeschaute (und andere 
Anschauungen giebt es nicht in der Natur) soll der Künstler 
farbig wiedergeben", sagt er und arbeitet darauf los, das Relief 
sichtbar und rund machend, die Wirkungsfähigkeit der Rund- 
figuren mit klug vorbedachter Farbennachhilfe erhöhend, die 
Dekorationsfähigkeit der Skulptur auch für unser modernes 
farbig gewordenes Haus erhöhend. 
Man konnte früher, als man in der Bildhauereiänoch mit 
Farben rechnete, sich viel breiter und ruhiger  statuarischer 
 in der Form und dem Ganzen halten, viel weiser auf die 
Wirkung hin vorgehen, als heute, wo das Bedürfnis nach klarer 
Deutlichkeit und doch überall lebensvoller Sachlichkeit, bis zur 
Ausnutzung der kleinsten raffiniertesten Gegensätze geführt hat 
 die der Bildhauerei nur das ersetzen wollen, was ihr durch 
die aufgezwungene Einfarbigkeit an Sprache, Ausdrucksmitteln 
entzogen ist, und die dadurch den Charakter der Skulptur viel 
bedenklicher ändern  über ihre Grenzen hinaus  wie durch 
vorbedachte Bemalung, die sich ja bei jedem Volk und zu jeder 
Zeit, für jeden Zweck mehr oder weniger veltschieden gestalten 
wird. Gerade die neuere  monumentale  malerische Be- 
handlung beweist, trotz aller gegen die Farbe gerichteter Äusse- 
rungen der Techniker in diesem Sinne (sogar Begas; wenn
        

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