Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463985
FARBIGE SKULPTUR 137 
tritt nur ein, um das ihr möglichere mit der wünschenswerten 
Deutlichkeit zu übernehmen. 
Freilich, dass Herr Hähnel z. B. seinen Raffael nachträg- 
lich bunt bekleiden solle, meint Böcklin gewiss noch heute nicht, 
wo er längst selber in der farbigen Skulptur thätig ist. Auch 
die Cauersche Gesamtvergoldung dürfte ihm ein richtiges und 
vielangewandtes Mittel übertreiben und wertlos machen heissen. 
(Die Archäologie sagt, dass sie nur Marmormalerei auf Gold- 
unterlage kennt. Damit sagt sie, als Wissenschaft, aber durch- 
aus nicht mehr, nicht etwa, dass aller Marmor zu statuari- 
schen Zwecken vergoldet gewesen sei. Ein Künstler sieht die 
Unverständigkeit einer solchen Unterstellung sofort ein und 
wird die Möglichkeit solcher unsinnigen Selbstermordung so 
klug berechnenden Menschen wie den griechischen Künstlern 
nicht zutrauen. Wo man so offen nach Wirkungsmitteln sucht, 
begiebt man sich nicht eines der wirksamsten. Das Gold 
braucht der Bildhauer, aber den Marmor auch [noch dazu 
jener, der den grosskrystallisierten pentelischen hatte und nicht 
die carrarische Kreide, die dann ihre eigene Technik erzeugt 
hat], Fleisch wird er nie vergolden [Beweis, wenn nötig, auch 
das zu Gold un d Elfenbein Greifen]. Der Marmor wird mit der 
Gold- oder Silberauflage ein ganz anderer Körper [wie es ja auch 
Brauen, Haare etc. sowohl dem Fleisch gegenüber als auch im 
Sinne der plastischen Behandlung sind], aber kein antiker Künst- 
ler, um das zu wiederholen, der nicht archaistische Scherze 
machen wollte [die ja wohl zu allen Zeiten beliebt waren], wird 
den Marmor da vergolden, wo er allein das Durchscheinen des 
Fleisches, im Gegensatz zu den vergoldeten, also gänzlich ge- 
deckten Teilen wiedergeben kann. Also, um bildhauerisch so 
unmögliche Sachen wie Bärte, Haare, Augenbrauen zu machen, 
um warmes und nicht kaltes Reflexlicht auf dem Rot der Lippen 
zu haben, da braucht er Gold. Das Gold war also nur da, um 
durch eine Lasur durchzuschimmern und diese leuchtend zu 
machen. (Als Haarfarbe War Rotblond Regel.) Wie sollte er 
sich aber der Gegensätze zwischen Fleisch und Stoff begeben, 
die den Hauptreiz aller Erscheinung in der Natur ausmachen! 
Wie herrlich sind z. B. die Gegensätze von Haar, flaumigen, 
weichen Wangen, beweglichen Nasenflügeln, durchscheinenden 
Ohren, festem Schädel und festen Brüsten! [Ohren und Nasen-
        

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