Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463978
136 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
 
die, nach einigen Versuchen und Änderungen, denn auch an 
verblüffender Wirkungskraft nichts zu wünschen übrig liess. 
Freilich, ein „Genremaler" oder ein "Tyroler" muss nicht über 
den Marmor kommen, und nicht jeder lebensgrosse Knote von 
Bildhauer, der lebensgrosse Röcke, Hosenstoffe, Uhrketten etc. 
aus Gyps machen kann, liefert Arbeit für den Maler, oder soll 
sie gar selbst anstreichen, karrieren etcfi) 
Die Menge der Handwerker unter den Bildhauern, die 
es so herrlich weit gebracht, diese Generation muss erst aus- 
sterben. Nur in China kann man verlangen, dass jemand sich 
selbst den Bauch aufschlitzt. In dreissig Jahren aber wird 
über ihren Leichen bei uns alles farbig erblüht sein, wir werden 
diese eitel aufgebauten Strümpfe und Würste, dieses impotente 
Wollen, los sein. (Wünschen wir unseren Kindern oder 
Enkeln;  denn jene werden noch durch weissnäsige Schul- 
meister verdorben  wieder eine farbigere, anschauungswürdige, 
[und-fähige] weniger von der Blässe des Gedankens ange- 
kränkelte Welt!) 
Alles, was unsere, nach immer mehr Realismus strebenden 
Bildhauer stachelt, ist ja nichts als die düstere Empfindung von 
der Unzulänglichkeit der weissen akademischen Kunst. Wer 
überhaupt heisst denn der Skulptur, dem schwarzen Rock oder 
der Uniform, Garnitur Nummer so und soviel, Denkmäler setzen! 
Eine farbig gebliebene Skulptur wäre dahin überhaupt nicht 
gekommen. Die farbige Vorstellung und Notwendigkeit hätte 
sie zurückgehalten, sich unter dem Vorwande Helden zu bilden, 
alte Mäntel zu giessen. 
Am blamiertesten werden dann, wenn die Polychromie 
erst wieder begriffen ist, die lieben Italiener sein; denn 
ihre Haupteitelkeit  die Neuerfindung der Bildhauerei, ist 
dann endlich, gering gesagt, gegenstandslos, ihr technisches 
Rafl-inement gleichgültig selbst für Laien. (Ähnlich wie viele 
Maler, die nicht rechtzeitig genug das Plattenputzen lernen 
können, um nach Erfindung der Farbenphotographie Photo- 
graphen werden zu können.) 
Die Farbe verdeckt keine Leibschäden der Skulptur, sondern 
s) Siehe 
Bahnhofplatz. 
Kissling und 
A. d. Verf. 
seinen 
Alfred 
Escher 
auf dem 
Züricher
        

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