Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463914
 
nung ziehen konnten, weil es mit der fortschreitenden Oxy- 
dation von Tag zu Tag ein anderes werden musste. 
Zudem die leeren Augen des Marmors und die Email- 
augen der Bronze. Sollte ein ungelehrter künstlerischer Instinkt 
wie Böcklins es begreifen, wie einer, der Menschenbildner war, 
auf die Darstellung dessen verzichten könne, was für das innere 
Leben des Menschen am wesentlichsten ist, wie er das Auge 
(des Marmors) „in weiser Beschränkung" tot lassen konnte? 
(Man überlege doch: wenn jemandem nur ein Auge fehlt, wie 
viel fehlt gleich seiner Erscheinung! Und alle beide, das ganze 
Leben, werfe ich weg! Allerdings helfen sich die Heutigen wie 
sie eben können mit bildhauerischen  Pupillen. Da soll man 
seinen Figuren doch lieber gleich die Augen zu machen wie beim 
„Barberinischen" Faun in der Münchner Glyptothek.) Eben- 
sowenig gewiss liess sich das einsame kalte Emailauge dekora- 
tiver grüner Bronzen verstehen. (Das moderne "Auge" in der 
Skulptur ist eine natürliche Konsequenz der Renaissancemiss- 
verständnisse und des ausdrucksmittelbedürftigen Talents. Ver- 
rocchio mit seinen immer gleich spitzen Augen, Michelangelo 
etc. erscheinen den Herren heute mit so einem Auge wie ein 
Knopf oder wie ein Bohrloch, ein unmöglicher Eingriff in die 
Fläche.  Der einfachste Schluss wäre nicht, dass man jemals 
die Farbe aufgeben konnte ohne sie so oder so, also durch 
die Form zu ersetzen, sondern dass man trotz der verzwungenen 
modernen Bildhauerei, welche die Renaissanceästhetik auf dem 
Gewissen hat, auf sie, die Farbe, in irgend einer Weise zurück- 
kommen muss.) 
In der That hatte Böcklin das auch nie begriffen. Und 
so war der Farbenmensch bei der ersten Anregung und darauf- 
folgenden Beschäftigung mit der antiken Skulptur sofort von 
ihrer Farbigkeit überzeugt. (Er hat nicht, wie es die Wissen- 
schaft musste, entscheidende Thatsachen abgewartet, sondern 
seinem kongenialen künstlerischen Empfinden geglaubt, die 
innere Notwendigkeit der Farbe in den antiken Skulpturen 
gefühlt.) Hatte er doch, da er von jeher sein eigener Ästhe- 
tiker war und nie wie die Menge und wegen ihrer gesehen, 
keinerlei Überkommenes oder Konventionelles über Bord zu 
werfen. Zudem hat er als Künstler lange im farbenfrohen 
Süden gelebt, beobachtet und geschaffen. Hier wollte es denn
        

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