Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463908
Farbige 
Skulptur. 
Die Frage von der farbigen Skulptur war Böcklin wie 
mir seit dem ersten Semper-Lesen absolut klar. Was vor- 
her künstlerischer Instinkt und Vermutung gewesen, wurde 
damit zur Gewissheit. Wie hatte man nur den Griechen, 
diesen prächtigen Orientalen, das weisse, augenverderbende, 
schreiende, in der Sonne unförmlich werdende Zeug bei den 
Gegensätzen zutrauen können. Alles, was Semper, Fechner, 
Treu etc. zusammen boten, war uns aus dem Herzen gesprochen. 
Wir gingen weiter. Es war ja lächerlich, einem reichen Mann 
zuzumuten, er solle auf das Material Rücksicht nehmen. Natür- 
lich nahm man für ihn das beste, geeignetste. War Marmor 
angezeigt, so wuchs er noch dazu vor der Thür. („Ach so, 
das „herrliche Material!" Na der dumme Philisterschnack [Nur 
nicht gleich so grobl] gehört genau wie all das andere zu den 
anerzogenen Vorurteilen, der „Pauvretät", den überkommenen, 
ins Blut übergegangenen Dogmen einer Zeit, die von falschen 
Anschauungen ausging. Marmor ist einfach Baumaterial wie 
Ziegelstein auch") Auch Bronze, aus technischen Gründen 
für gewisse Gegenstände gewählt, war nur Material und wurde 
farbig behandelt (ein ägyptischer König nahm vielleicht Gold, 
weil er's konnte). 
Die Vorstellung wie die Ausführung war farbig, nicht 
zahm, sondern leuchtend farbig, mit Sonne, Vegetation, Dekoration, 
Teppichen, Malerei im Einklang, ein gleiches Produkt gleicher 
Bedingungen. 
Was die Bronze betrifft, so war den griechischen Künst- 
lern nicht zuzutrauen, dass sie Werke in einem Material hätten 
schaffen mögen, dessen farbiges Aussehen sie nicht in Berech- 
Floerke, Böcklin. Q
        

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