Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463895
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BÖCKLlN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
künstlerische Erkennen und Aussprechen der besonderen Wesen- 
haftigkeiten kommt es an. Mit seiner Zeit hat man zu thun.) 
Nein, die lieben Griechen haben ihre Freude haben dürfen 
an der Natur und sind dadurch gross geworden: warum steht 
uns nicht das gleiche Recht zu? 
Von allen anderen (Begas ausgenommen, der mit seinem 
Berliner Brunnen, gesteckt voll Leben, einen monumentalen 
Böcklin macht) wagt sich keiner heraus. Höchstens dass mal 
einer seinen Neuerungstrieb in antiquarischen oder kostümlichen 
Scherzen beruhigt. Alles horcht aufeinander oder auf etliche 
mit der Gewalt bekleidete, um nicht Gewaltige sagen zu müssen. 
Cornelius hat doch wenigstens seiner Zeit seine Be- 
hauptungen mit Stentorstimme in die Welt hinausgeschrieen,  
heute wagt keiner was. 
Aber: trotz der Welt wird das Gute gemacht. 
Gott sei Dank, dass wir mit Böcklin endlich einmal aus 
der Kunstgeschichte herauskommen! „Das sind keine griechi- 
schen Sirenen . . f" Also Gott sei Lob und Dank nein! Das 
sind seine,  seine Kentauren, sein Ungeziefer, seine See, sein 
Leben, „die du nicht gemacht" kann er in prometheischem 
Trotz sagen, und zu denen ihm kein Wissender die Regeln vor- 
geschrieben hat. Die Natur und seine Natur zeugten das allein. 
Warum soll er im Meer nicht mehr sehen als das Nasse, 
das Badewasser? Warum soll er mir nicht mit seinem Sturm 
und Sonnenschein ins Herz greifen? Lassen wir getrost 
Conrad Fiedler Recht haben und auf kalten ästhetischen 
Höhen wissenschaftliche Schlittschuhblumen beschreiben, und 
freuen wir uns mit Böcklin in den Butterblumen des Thales, 
in der lebenschaifenden Sonne. 
Auch ich will hier keinen Band vergleichender Weisheit 
schreiben, sondern ebenfalls nur thun und sagen, was mich freut.
        

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