Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463797
Kunstwerk 
und 
Beschauer. 
Wir sind nicht mehr gewohnt, so viel Erfahrung und Ver- 
stand lediglich im Dienst einer künstlerischen, in keiner Hin- 
sicht spekulierenden (rechts oder links schauenden) Bestrebung 
thätig zu sehen. 
Wir wenden uns mehr als je mit unserer Kunst an die 
Massen, und diese sind mehr als je verstandesmässig erzogen, 
ihre Bildung ist immer abstrakter geworden. (Die Eitelkeit 
der vgßbildeten Masse" in der Kunstfrage, ihr Eintritt in die- 
selbe, ist gleich der der Ungebildeten.) Die „Kunst" ist dabei 
in Angebot und Nachfrage auf den Markt geworfen, hat den 
Forderungen ihrer Abnehmer nachzuforschen, und ist damit 
ruiniert. Der Markt will nicht, kann nicht  ergo haben wir 
keine Kunst. 
Wer sieht denn, ohne zugleich an eine Verwendung für 
sein Emplindungs- oder Verstandesleben, für sein Interesse zu 
denken, wer vergisst sich selbst und seine Welt, sowie die Welt 
um sich herum vor der Welt des Kunstwerks? Wer stellt 
den Strom seines eigenen Lebens ab, um nur allein durch die 
Augen in der Anschauungsthätigkeit eines anderen zu leben? 
Man kann ja in ein Kunstwerk mancherlei Interessen 
hineintragen (und das wissenschaftliche, archäologische, histo- 
rische, ästhetische etc. ist dabei genau soviel wert, wie ein an- 
deres, an sich geringeres)  aber je nach ihrer Befriedigung 
den Künstler beurteilen, den keines von diesen Interessen 
geleitet hat, ist doch wenigstens gedankenlos und ungerecht. 
jeder sucht eine Wiederholung des ihm als vorhanden 
Bekannten im Kunstwerk. Aber alles Kennen und Wissen führt 
uns dem fremdartigen Leben desselben nicht näher.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.