Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463750
Sehen. 
Sehen! Es ist ia klar, dass nicht alle Instrumente gleich 
gut sind, nicht jede Netzhaut gleich empfindlich ist  Böcklin 
sieht z. B. mit seinen Augen gleich die Komplementärfarben 
mit  in richtiger Sättigung und Helligkeit), noch weniger aber 
alle Schädel, denen dies Instrument das Sichtbare vermittelt. 
Man kann nun einmal nicht, wie sich die naiven Herren Im- 
pressionisten vormachen, den Sehprozess zu einem rein opti- 
schen Vorgang herabdrücken  die Maschine Auge arbeitet 
nicht ohne das Gehirn w), in dem Sinne, dass die persönlichen 
Eigentümlichkeiten des menschlichen Einzelhirns gar nicht in 
Betracht zu kommen hätten (abgesehen davon, dass dort erst 
der künstlerische Vorgang beginnt). Nur das Übrige, das Per- 
sönliche kann wertvoll sein, das rein Optische besorgt der gut 
geleitete Apparat des Photographen am besten. 
Die Impressionisten wollen „möglichst rein optischa sehen. 
Als ob in diesem Wollen nicht bereits eineäAuffassung der Er- 
scheinungswelt als Gegenstand der Kunst läge! Von allem 
Anerzogenen, Angewöhnten, Technischen, der Macht der Kon- 
vention, den Anschauungen der Richtung, gar nicht zu reden. 
Auch sie schrauben sich nicht zur photographischen Platte zu- 
rück, sondern sind verantwortlich für das, was sie ein Kunst- 
Werk nennen.   
[Conrad Fiedler („Ursprung der künstlerischen Thätig- 
keit") konstruiert sozusagen ein eigenes isolierbares Organ des 
Sehens. Doch geschieht jedes Sehen nicht nur mechanisch auf 
der Netzhaut, sondern im Gehirn. Der rein optische Eindruck, 
das ophthalmologische Sehen, darf aber mit dem künstlerischen 
Sehen, der lebendigmachenden Anschauung, trotzdem nicht ver-
        

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