Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463731
112 BÖCKLlN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
Ebenso kommt es auf die Menge an, in der er resp. seine 
Nachbarschaft auftritt. (Also auf die Verteilung und Bewegung 
der Massen.) Die Mengen, in denen sich zwei Töne gegenüber- 
stehen, bestimmen die mehr oder minder angenehme Wirkung 
auf das Auge. 
In Bezug auf die Intensität handelt es sich noch besonders 
darum, nie zwei Töne von gleichem_Wert (valeur) nebeneinander 
zu setzen. 
Man kann 
oder strahlend 
wirken lassen. 
denselben Ton durch seine Nachbarschaft fad 
machen, zurückdrängen oder doppelt erregend 
„P0ur donner ä un ton toute sa valeur quiil doit avoir, 
il faut qu'il ne se präsente ä l'0eil que par parcelles, par 
ächappäes", sagt Viollet-le-Duc. (Man vergleiche Böcklins 
Tupf- und Fleckenmanier: „nicht mischen, sondern rein neben- 
einander setzen") 
Weiter sagt Viollet-le-Duc: „Aucun Ygenre de däcoration 
n'est plus entrainant que la peinture. Si vous montez un ton, il 
faut monter tous les autres pour conserver Faccord." 
Ein nachgedunkelter Böcklin 2. B.  das geht nicht. Ein 
Bild bei ihm ist eben wie ein Musikwerk, in dem alles stimmen 
muss. Wenn nicht alles so genau auf einander angewiesen wäre, 
würde das ja soviel nicht machen. Aber erst in der letzten 
Abwägungsfähigkeit liegt bei ihm die Sache. 
(Es ist begreiflich, dass ein Farbenmensch durch und durch 
wie Böcklin zu denjenigen toten oder lebenden Kollegen kein 
Verhältnis findet, welche, häufig von einer hochmütigen Ab- 
straktion herkommend oder infolge ästhetischer Vorurteile, die 
Farbe beim Malen nur sozusagen aus Gewohnheit, als notwendiges 
Übel anwenden, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, 
sie folglich in Misskredit bringen und ihr das Verständnis des 
Publikums langsam aber sicher entzogen haben,  ebensogut 
wie die auf falschen Voraussetzungen gebauten ästhetischen 
Sätze der italienischen Renaissance, mit denen das ganze 
Unheil anfing.)  
„Ton" im heutigen Malerjargon ist ihm ein unfassbares 
Ding, von dem man nicht weiss, wo es anfängt und aufhört.
        

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