Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463700
TON, FARBE 109 
 
alles koloristische Leben hängt für die mit lichtlosem Schlamm 
malende Kunst von dreisten (ganzen) Farben ab, die allein- 
stehend übertrieben, aber durch berechnete Gegensätze, im 
Zusammenhange, auf das wahrscheinliche Niveau zurückgeführt 
erscheinen, aber doch, unmerklich, lebendiger zum Ganzen 
wirken, als eine direkte Übersetzung der Lichter und Schatten, 
der Lokalfarben und Reflexe etc. in zahme gebrochene Palet- 
tentönchen. 
(Frühere Notiz: Er hat wieder mit ganzen Farben ange- 
fangen zu malen, weil er ihre grössere Wirksamkeit [optisch] 
erkannte und damit sozusagen seine Palettenskala erweiterte, und 
weil er die Verlegenheits- und Verlogenheitsmalerei der Sauce- 
maler, die Natur heuchelten, ihr Nichtskönnen verbargen, so- 
wenig wie die Heckige Buntheit der Neueren (seit Fortuny), 
welche ihm das „Wesen der Farbe, mit der sie spielten, nicht 
verstanden", leiden konnte.) 
In dieser seiner selbsterworbenen Beherrschung und Dienst- 
barmachung seiner eigensten Darstellungsmittel  die er in 
ihren Kräften und Wirkungen studiert hat, wie etwa Viollet-le-Duc 
die Eigenschaften der gefärbten Gläser etc. für die Glasmalerei  
liegt ein grosser Teil des Geheimnisses seiner Leuchtkraft, mit 
der er uns so häufig über den geringen Umfang unserer Palette 
der Natur gegenüber hinweggetäuscht hat, uns in Glanz und 
Leuchten versenkend. 
In der künstlerischen Gesamtrechnung geht vieles Erreich- 
bare verloren, um anderes ad hoc Wertvolleres dafür einzu- 
tauschen, in der Farbe so gut wie in der Formausbildung. Um 
das höchste Licht zum Ausdruck zu bringen, müssen alle Mittel- 
töne  die wir hätten  in ihrer Kraft und Helligkeit ver- 
ringert werden, damit ein der Erscheinungswelt ähnliches Ver- 
hältnis eintritt. Um das Interesse zu konzentrieren und damit 
künstlerisch zu befriedigen, kann manche Form nur als bewegte 
 helle oder dunkle  Masse dastehen. Z. B.: Das und das 
ist in diesem Zusammenhang gar kein Gesicht wie es auf einem 
Porträt sein müsste, wo es alles wäre, sondern nur ein Teil 
eines bewegten Lichtes, das Ausklingen eines Vorgangs etc. 
oder, das sind in dieser Gesamtrechnung doch keine Hände, 
an denen später einmal bewiesen werden soll, dass auch wir, 
resp. Herr X. Anno so und so fünf Finger daran hatten.
        

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