Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463699
103 BÖCKLlN-AUFZEICHNUNGEN um) ENTWÜRFE 
 
sondern der dunstlose Himmel des Südens lehrten ihn immer 
farbenfroher sehen. 
An die stillschweigende Konvention in der Malerei (die 
ihre Grundlage ist) denkt niemand. Sie muss mit zehn Prozent 
der Mittel, durch welche die Natur wirkt (d. h. sich sichtbar 
macht), dieser scheinbar gleichzukommen suchen. Die so be- 
schränkte Farbenskala der Palette scheinbar zu erweitern, ist 
eine beabsichtigte Eigentümlichkeit der Böcklinschen Bilder. 
(Wie viel grösser die Skala der Natur ist, erhellt am besten 
aus Beispielen. Was ist z. B. das höchste Licht im Bilde ge- 
gen ein Glanzlicht, das auf den Goldrahmen fallt! Was ist 
das leuchtendste Orange, die leuchtendste aller Farben, plötz- 
lich für ein dunkler Dreck, wenn ein Schimmer Abendsonne 
darauffällt  
Daran, dass alle Farbe  als eine Qualität des Lichts  
in der Erscheinungswelt relativ ist, denken auch wenige. Dass 
sie (als Einzelfleck) nur ein Faktor in der Rechnung des 
Künstlers ist, die man Bild nennt, ebensowenig. Das isoliert 
sich irgend einen Fleck aus dem Bilde, eine Farbe, sieht sich 
fest, wo es gar nichts zu suchen hat, und sagt: „Das ist gelb 
(oder Neapelgelb mit Beinschwarz)  so sieht kein Weisser aus." 
Die eigentümlichen Fähigkeiten seines Materials legen dem 
Bildner in Böcklin Bedingungen auf, wollen nicht gequält 
werden, sondern zum Ausdruck kommen und ausgenutzt werden. 
Diese Rücksicht auf das Material gilt nicht nur im Kunst- 
gewerbe (in welchem Falle die "Gebildeten" nichts mehr da- 
gegen haben), sie gilt ebenso in der Kunst, und ein Maler ist 
nur in seinem Recht, wenn er nur innerhalb der Grenzen und 
unter möglichster Ausnutzung der Fähigkeiten seines Dar- 
stellungsmittels, der Farbe, erfindet. 
Die Farbe schafft Raum, modelliert, macht Stimmung, sie 
komponiert, führt das Auge und verdeutlicht ihm die künst- 
lerische Gliederung, sie reizt die Aufmerksamkeit und fesselt 
sie im Sinne des Künstlers  sobald er ihre Gesetze erkannt 
und zu den seinigen gemacht hat. 
Böcklins Farbe, d. h. die Art sie anzuwenden, schalTt ihm 
die tiefe lebendige Glut seiner düsteren, den zauberischen 
Glanz, die ungebrochene Heiterkeit seiner in den krystallenen 
Äther des Südens getauchten lichten Kompositionen. Er weiss:
        

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