Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463684
TON, FARBE 107 
 
Ein Sänger, der seinen Ton in der Kehle bildet und nicht 
vorn im Munde, ist ein Esel; denn er nutzt sein Pfund nicht 
und versteht seine Kunstmittel nicht. Aber ein Maler soll 
seine Farben in den Tuben behalten oder doch ihre Ausnutz- 
barkeit und Wirkungsfahigkeit für seine Farbenkunst nicht 
verstehen. (Er soll sie höchstens hinstreichen, wie man eine 
Zeichnung koloriert, nach ikonographischen, kostümgeschicht- 
lichen oder sonstigen Regeln.) Merkwürdig! Womit stellt er 
denn dar, was er an Eindrücken empfangen hat? (sMein Gott, 
womit malt man denn?" fragt Böcklin ganz erstaunt, wenn er 
erfahrt, dass man ihm die konsequente Ausbildung des Farben- 
materials, der Technik und der Farbe in ihrem künstlerischen 
Auftreten vorwirft). Wozu die Blässe des Gedankens, die zwi- 
schen Anschauung und Wiedergabe tretende, das Kunstwerk 
unweigerlich zerstörende, Abstraktion? Ich habe nie begriffen, 
warum einen Maler die Farben nicht geradezu führen sollen, 
die doch seine einzigen Ausdrucksmittel sind. Gerade diese 
seine Mittel lehren ihn seine Wege und Grenzen. Und da 
letztere eng sind  mit Licht und Luft malt er nicht, und 
doch kann er sich ohne deren Existenz nichts vorstellen und 
nichts darstellen; sie in ihrer Qualität als Farbe sind überall 
Gegenstand seiner Darstellung; alles, was in sein eigentliches 
Gebiet fällt, existiert für ihn durch das eine und in dem 
anderen  so ist er schon auf ein Rechenexempel, auf eine 
Übersetzung und Vereinfachung angewiesen, die nicht jedem 
draussenstehenden Interesse Rechnung tragen kann. 
Erst durch die verschiedene Stärke des Lichts (Ton) und 
seine Qualität (Farbe) wird in der Natur die Form dem Auge 
wahrnehmbar. Die Reinheit und Leuchtkraft der Farben wird 
um so sprechender auftreten, je glänzender das Licht, je 
durchsichtiger die Atmosphäre ist. In diesem Sinne unter- 
stützte die italienische Erscheinungswelt Böcklin in seinen 
Bestrebungen, bereicherte seine Farbensprache und machte 
ihn kühner und positiver. Hier konnte man nicht mogeln, 
wie in der dicken nordischen Luft, Sondern man musste 
Farbe bekennen ohne Gnade, nackt zeigen, was man be- 
herrschte und von Anfang an gewollt hat. Mit Schmieren und 
Zusammenlasieren kann man hier keinem Bilde „Haltung" 
geben. Nicht die matt gewordenen Wände von Pompeji,
        

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