Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463662
WAS IST ZEICHNEN? 105 
. 
aller Art, nicht durch Zeichnung im engeren Sinne, bestimmt 
(welch letztere immer eine gewisse Abstraktion der wirklichen 
Erscheinung ist). 
Ein Zeichner,  abgesehen davon, dass er es nicht kann  
wird schon darum keine brillanten Farben gebrauchen, weil 
diese von der Wertschätzung seines Ausdrucksmittels, seiner 
Technik, auf die es ihm doch ankommen muss, abziehen 
würden. 
„Merkwürdig", schrieb ungefähr ein französischer Kritiker 
(in der "Gazette des Beaux Arts"), „da ist ein Mann, der kann 
nicht zeichnen und nicht malen, und ist doch ein malerisches 
Genie." J a, da haben wir, was man heutzutage unter zeichnen 
und malen versteht: Part, c'est le jini. Dieser Herr hat da- 
mit von seinem befangenen, modern französischen Standpunkt 
aus nur erkannt, dass weder Kalligraphie noch Pinselfechterei 
für Böcklin irgend einen selbständigen Wert haben. Zeichnen 
ist Prunken mit akademischer Kenntnis und ordnungsmässiger 
Richtigkeit aller Art, die heutzutage jeder Langweiler erwerben 
kann („die mein Pudel auch lernen kann", sagt Böcklin). Glatt- 
machen in der Malerei kann jeder Handwerker, der nichts zu 
sagen weiss, und das verstecken möchte. Es ist kein Kunst- 
stück ein Sonett zu machen  womöglich nach gegebenen 
Reimen. Erst wenn jedes knappe Wort darin sich in jeder 
denkbaren Richtung als dienstpflichtig erweist, kann das ein 
Kunstwerk sein.
        

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