Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463610
100 BÖCKLlN-AUFZEICI-INUNGEN UND ENTWÜRFE 
lerisch herausgestaltet, so fehlt nichts mehr als ein genügend 
empfänglich gewordener verwandter Mensch, um mitzuemplinden, 
und wenn's weiter geht, das künstlerische „Warum" des Aus- 
und Eindruckes zu begreifen; 
In Florenz, im „Niobidensaal", also als Hintergrund 
resp. Dekoration einer Sammlung weisser (z. T. bedeutend über 
lebensgrosser) Marmorfiguren hängen zwei der schönsten Ru- 
bens, die er jedenfalls völlig höchstselbst gemalt hat. Aber 
sie haben zwei Fehler. Einmal den (ich will nicht sagen der 
Konkurrenz; denn daran nur zu denken, sind die Italiener zu 
eitel; aber den) der Ausländerschaft. Und schon deshalb 
verkommen sie. Der zweite Fehler sind die Niobiden, die 
auf Gott weiss welcher Gartenmauer gestanden haben mögen, 
und  diesen Bildern gegenüber  besser ständen. Die Nio- 
biden sind  scheint es  fertig; die Rubens nicht. Ergo! 
Die Niobiden sind antik, die Rubens nicht. jene sind berühmt, 
diese nicht (weil sie in Florenz hängen). Punktum für das 
Galerievolk. Alles für das Volk! Die Kunst für alle! Aus 
dem Volk, für das Volk! Evviva! Referendum in Kunst- 
sachen! Ecco. 
Korrekt sein! Seit herausgemessen ist, dass der Schädel 
der Venus von Milo total unmöglich, nach allen Dimensionen 
falsch modelliert ist (siehe die Hasseschen Messungen), wird 
den Ruhmestitel der Korrektheit wohl niemand mehr für den 
künstlerisch unerlässlichsten halten. Der Künstler wird doch 
wohl gewusst haben, warum er's nicht „besser" gemacht hat, 
und gemerkt hat's ja bislang auch keiner; die beabsichtigte 
Wirkung war also da. 
S0 sagt Böcklin auch nicht „richtig", sondern „deutlich". 
Und weil so viel Richtiges, Massgebendes in seinen Bildern 
da ist, glaubt man alles andere zu sehen. 
Es fehlt ja nicht bei ihm, es kommt nur darauf an, dass 
seine unerbittliche Kritik ein Mehr für notwendig hält. Dann 
ist es gleich da. Die Anschauungen des Malers von seiner 
Kunst mögen ja, je nach der Privat- oder Dutzendästhetik des 
Beurteilers, mangelhafte genannt werden können, sein Können 
schwerlich, wenigstens nicht für den, der sich mit ihm be- 
schäftigen konnte. In all solchen als „Unfertigkeit", „Skizzen- 
haftigkeit", „Unkorrektheit" gestempelten Fällen fehlt einfach
        

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