Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463591
98 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
Antike, zu Märchenwesen, weil ihn da die Richtigkeitskrämer, 
 so wähnt er! nicht kontrollieren können. „Entschuldigen, 
Sie werden mir's nicht übel nehmen  aber ist der Arm nicht 
zu kurz?" ja, meinetwegen. Aber mir kam es auf ganz etwas 
anderes, Sprechenderes an, ich wollte Sie fesseln, dass Sie der- 
gleichen so wenig nachrechnen, wie ich in dem Bestreben nur 
in der einigen Hauptsache recht deutlich zu werden. Und wer 
sagt Ihnen, dass so ein Wesen nicht so kurze Arme haben 
muss? Kennen Sie seine Existenzbedingungen, Herkunft etc.? 
Er lügt nicht, und wenn er lügt, ist es erst recht richtig. 
Ein gutes Märchen ist auch voller Natur. Er mutet einem 
auch nicht zu, aus dem herauszugeben, was man schon hat, 
sondern rechnet damit und vergrössert höchstens. Und jedes 
Kunstwerk ist eigentlich ein Märchen. Der Superlativ, 
der zweckbewusste heisst das, aus der Unähnlichkeit der Mittel 
hervorgehend, ist auch eine Kunstform. Böcklins Kentauren etc. 
sind Phantasielogik, freilich keine Erfahrungslogik oder Be- 
obachtungslüge. 
Bei Böcklins kolossalem „Realismus" (Naturwahrschein- 
lichkeit, Momentwahrscheinlichkeit, Stimmungsstärke), wegen 
dessen die modernsten Impressionisten, die er auslacht, ihn 
vergöttern, bei dieser seiner Wirklichkeitsnähe, sollte man sich 
vielleicht auch an die ungeheure (allerdings unbewusste und 
ganz unkontrollierte) Realität des Traumes erinnern.
        

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