Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463573
96 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
 
Schon die Beschränkung der Palettenskala gegenüber jener 
des Lichts, des Raumes gegenüber der Unendlichkeit der Er- 
scheinungswelt, die Notwendigkeit der abgeschlossenen Einheit, 
die daraus hervorgeht, sollten auch den Eifrigsten daran er- 
innern, dass derjenige, der in seinem Bilde Naturwahrheit an- 
strebt, schon durch ganz äusserliche Bedingungen gebunden ist. 
Er sollte ferner bedenken, dass der Mensch seine Persönlich- 
keit, sein Hirn nicht loswerden kann, dass es nicht die Natur 
ist, die er darstellt, sondern das, was er von ihr sieht, d. h. dass 
die Welt des Sichtbaren für ihn erst in seinem Schädel entsteht, 
dass je energischer und gewaltiger diese somit schöpferische 
Persönlichkeit der Erscheinungswelt gegenübertritt, die Wesen- 
heit des Geschauten  bis in die Darstellungsmanier hinein  
einen anderen Charakter annehmen wird. Denn nicht die Natur 
hat den Künstler, sondern er hat sie. 
Auf den Wert der anschauenden Persönlichkeit  und 
wie anders spiegelt sich in Böcklins Kopf die Welt  wird es 
also immer ankommen, und wenn jemand diese auf das Niveau 
eines photographischen Apparats reduzieren zu müssen glaubt, 
 und es scheint wirklich manchen von ihnen?) nicht schwer 
zu werden  so wird er eben wohl nicht viel mehr bei der 
Seele haben. Sähe er mehr und besser, so würde er wahr- 
scheinlich besser zu malen versuchen und das Beschämende 
eines solchen Vergleichs nebst dem Überflüssigen solcher Be- 
strebungen selbst einsehen. 
Die ganze einsichtige Kritik hat denn auch Böcklins 
ungeheure Naturnähe erkannt. Für den Rest  die Majorität  
scheint es in unserer Zeit der Demokratisierung der „Kunst" 
zunächst die fehlende Kalendergeschichte zu sein, die diesen 
Realismus irgendwelcher exklusiver, aristokratischer Neigungen 
verdächtig macht. Bedenklich sind von vornherein die offenen 
Mittel  reine Farben ohne Sauce  mit denen dieser Realis- 
mus des Sonnenscheins, des Raumes, der Öde, der Meeresweite 
und -Tiefe hergestellt wird, verdächtig in unserer weiss-grau- 
schwarzen Zeit. 
Noch 
begegnet,  
niemandem ist, scheinfs, die Realität des Märchens 
 es muss nun mal die der Wachtparade, des sozialen 
 
Modernen.
        

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