Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463554
Q4 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
an das Werk des Meisters legen, dessen Blicken die Natur all 
ihre Geheimnisse preisgeben musste. 
Böcklins Bilder sind von geradezu gewaltiger Naturnähe 
 aber eben weil er nicht sklavisch gebunden die Einzelheiten 
nachmacht, sondern das Ganze, das was er vor seinem innern 
Auge genossen, wieder aufbaut. 
Wo gäbe es einen genussfroheren Naturkultus als den 
seinen! Aber er respektiert seinen Schatz und malt ihn nicht tot. 
Es ist gerade die ungeheure Freude an der Natur, das 
Geniessen im Beobachten, was Böcklin eigentümlich ist. Er 
wird zunächst immer nur das darstellen, was er genossen, 
durchempfunden hat. Sein künstlerischer Verstand wird dann 
freilich das Unwesentliche ebensogut auszuscheiden suchen, wie 
das zum deutlichen Ausdruck seiner Empfindung Unnötige. 
Aber man kann nicht sagen, dass gerade das innere Leben, das 
Wesentliche, vom Zufälligen Abgeklärte, seine künstlerische 
Phantasie zuerst beschäftige und sich hcrauskristallisiere. 
Also die Natur als Ganzes  nicht die Figur als Profil, 
als Ton, Relief, Überschneidung, nicht das Gegenständliche als 
Coulisse und körperloses Versatzstück  sieht Böcklin. Das 
heisst, er sieht den mit körperhaften Gegenständen gefüllten 
Raum, dessen Grundriss man zeichnen könnte, dessen Gegen- 
stände rund gesehen und gedacht sind wie von einem Plastiker. 
Er sieht, dass ein Fels soo gewaltig hineinrückt, er sieht hinter 
ihn, und was dort hinten steht und sichtbar wird, ist wieder 
rund in Licht und Luft. 
Freilich macht er nicht alles, was, rein optisch gesprochen, 
nacheinander sichtbar wäre. Er malt nur seine Freude, die er 
als genussfroher prächtiger Mensch am Leben, an der Erschei- 
nung gehabt hat. Es handelt sich natürlich um ein künstlerisches 
Geniessen: er sieht z. B. das ist eine kräftige, eine nervöse 
Hand; und so wie er das mitsamt dem „Warum" auf einen 
Blick sieht, stellt er es auch nur so mittels des Eindruck- 
machenden, Unterscheidenden, Sprechenden dar. 
Was ist denn die „Natur", die die Menge sieht? Die 
Geschichte, die Gegend, die Tageszeit, die Ahnlichkeit, der 
Ausdruck, die „Zeichnung", das Moderne, Konventionelle, Sen- 
sationelle etc. Die Leute wollen immer mehr Detail  Zier- 
raten, Kunststücke, Gelerntes  aber sie sehen die Sache nicht.
        

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