Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463537
„Keine 
Natur-p 
Die Leute, auf welche Böcklin den grössten Eindruck 
macht, sagen: wundervoll, nur darf man nicht nach Natur- 
Wahrheit fragen. Ich wüsste niemand, der mit so kindlicher 
Freude, so stets offenen Organen an den Brüsten der Natur 
söge. Ja, wenn er jedes Tönchen und Färbchen nach der Natur 
malte, müsste er ebenfalls mogeln und wirkte nicht so ein- 
dringlich. jedes Bild ist übrigens eine Rechnung, eine Über- 
setzung. 
Welche ist mir da lieber: die sklavisch-philologische, in 
der ich jedes Wort wieder finden kann, oder die geistvoll- 
künstlerische, freie? Welche entbindet den Geist mehr und 
wirkt eindringlicher? In der Malerei will das heute niemand 
verstehen. In der Litteratur weiss längst jeder, dass lange 
Landschaftsbeschreibungen gar keinen Eindruck machen, sondern 
ein kurzer voller Blick dem Leser viel mehr Genuss gewährt 
und Kunst verrät. 
Unsere verwissenschaftlichte Generation mag anders 
denken, aber es wird auch wieder anders werden. 
Also das ist keine Natur! Man sollte glauben wir stünden 
schon ganz im Zeichen desZola, oder könnten Kunst und 
Wissenschaft nicht mehr unterscheiden. Naturbeschreibung 
allerdings nicht! Böcklin hat sich nicht dumm davor gesetzt 
und, soweit das geht, abgemalt, was er sah. Sondern er hat 
sich Rechenschaft gegeben: warum wirkt diese Landschaft, 
diese Jahreszeit so ganz anders als jene, worin besteht ihr 
unterscheidender Reiz, womit wirkt sie, und warum ist das, 
womit sie wirkt, da? 
Auch der flüchtigste Moment wird ihm so einen Stimmungs-
        

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