Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463484
MODELL? VOR DER NATUR? 87 
 
 besonders da, wo sie während der Arbeit plötzlich sich 
unsicher erweist, nicht ganz ausreichen will  durch das Modell, 
das man um Rat fragt, und seine Zufälligkeiten. Man will ja 
nicht den Augenblick um seinetwillen, nicht das zufällige Lebe- 
wesen und seine Reize, sondern die Korrektur der eigenen 
Vorstellung, ihre Auffrischung, Verstärkung, man will begreifen 
lernen, drum herumgehen, um das „Warum" zu verstehen und 
nicht bloss die Lage nachzeichnen. Z. B. Hand und Arm im 
Zusammenhang sind keine Dinge zum Abmalen in einer zu- 
fälligen Lage, sondern zum Verstehen, kluge auch zu weiteren 
komplizierten Bewegungen fähige Werkzeuge, deren Funktionen 
man verstanden haben, und die man verständlich, iselbstver- 
ständlich machen muss. Aber die Reize der Naturerscheinung, 
des Modells, sind für den formfreudigen Menschen leicht zu 
stark, er folgt ihnen und kommt von seinem graden Wege. 
Es handelt sich bei solchem Anschauen eines Modells im 
Nebenzimmer also einmal um sichere Stärke der Vorstellung 
des gewollten Ganzen, zweitens nur um Sachen, Erkenntnisse, 
die man etwa ebensogut aufschreiben könnte, nur dass ein 
Zeichnen des vermissten Zusammenhanges etc. bequemer, kürzer, 
näherliegend ist. 
S0 würde "Marees  geht weiter. Ich 
erinnere an seine "Flora" bei Fiedleri") Da sass schliesslich 
der eine Arm in der Schulter wie ein hineingesteckter Röhren- 
löffel, der nur diese eine Bewegung machen konnte. Aber 
diese sprach, was sie an dieser Stelle zu sagen hatte. Mehr 
wollte, mochte Böcklin nicht. Und es schadet auch wirklich 
nichts. Das Bild ist doch so", schön, wenn auch nicht leicht 
und bestechend. Jenes Plus, welches zu vermissen wäre, 
geht einen nichts mehr an, der ganze Kerl ist da, und damit 
basta. 
In dieser Unbekümmertheit, in seinem „ach lassen wir 
das, wozu noch?", „darauf kommt's ja nicht an" könnte man 
eine Grenze seiner künstlerischen Persönlichkeit sehen: ich 
glaube, es ist richtig zu sagen: darin liegt ein bewusstes Selbst- 
oder Glaubensbekenntnis, eine deutliche Erklärung über seine 
ästhetische Ansicht vom Wesentlichen im Kunstwerk. 
L 
Böcklinwerk
        

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