Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463406
KOMPOSITIONSMITTEL. BILDENTSTEHUNG. BILDER 81 
 
das relativ Richtige gemacht), aber es musste und muss wieder 
weg. Sie hat ein Ohr, natürlich"  da sass es auch schon  
aber die modellierte Ohrmuschel zog ab: „ich darf nur das 
machen, was das Schreien ausspricht, nicht das für ihre absolute 
Existenz Nötige. (Übrigens kann so ein Seetier auch ohne Ohr- 
muschel auskommen.) Man soll um Gottcswillen nicht 
am unrechten Ort zeigen wollen, dass man ein fleissiger 
Schüler war, dass man Kenntnisse erworben hat, zeich- 
nen kann etc. Für solche Knabenrenommistereien hat das 
einheitliche künstlerische Wollen keinen Platz. Alles an seiner 
Stelle." 
Aber noch einmal: die ganze sogenannte realistische Füh- 
rungsverpflichtung ist Unsinn. Man überlege nur, was von dem 
ganzen Apparat wirklich wirkt, und dass man meist mit wenigem 
Bewussten in der Kunst mehr macht. Das bisschen in den 
Moment (den allein die Kunst darstellen kann) zusammen- 
gedrängte Leben darf doch nicht der Aufmerksamkeit entzogen 
werden durch das (ermüdende) Gleichwertigmachen alles dessen, 
was die verwendeten Geschöpfe oder Gegenstände sonst noch 
haben, ausser den zum Ausdruck des Moments nötigen Organen, 
Alfekten etc. Ich rufe, um deutlicher zu werden, die Kari- 
katuren an, Oberlaender z. B., der die gleiche künstlerische 
Kraft besitzt, das Nichtwahre wahrscheinlich zu machen  mit 
allen Mitteln. (Oberlaen der ist sehr fein: er macht nur das 
Komische. Alles andere lässt er durch seine witzige Form so 
draussen, dass niemand es von ihm verlangt. jedes Mehr wäre 
zu viel bei diesen Zeichnungen und bedeutete [für die zwangs- 
weise scharfe Auffassung desWesentlichen, Lächerlichen] weniger.) 
Das Glaubhafte, Wahrscheinliche, was Oberlaender hineinbringt 
in irgend einen dummen unmöglichen Witz, macht ja erst das 
Künstlerische, den Oberlaender. Man glaubt, dass ein Velo- 
cipedist über einen wütenden Stier hinüberradelt, der Länge 
nach, so wohl thut das Kitzeln der Bestie, so stolz arbeitet der 
Radfahrer, so dumm schauen die Kühe zu. (Mit welch blutigem 
Ernst Oberlaender so eine halbe Stunde zusehen kann, wie die 
Rekruten Stechschritt machen, um sich das Komische darin 
auf das Typische zu reduzieren; dem es dann niemand mehr 
übelnimmt, wenn er nur macht, was ihm dient, und dem man 
für dies Bewusstsein und diese Weisheit wirklich dankt!) 
Floerke, Böcklin. 6
        

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