Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463249
KOMPOSITIONSMITTEL. BILDENTSTEHUNG. BILDER 73 
L 
mache, so bin ich selbst fertig  ich weiss nicht mehr, was 
meine Palette mir nachher noch übrig lässt, gestattet, ob ich 
nicht in allem oder einzelnem zu weit gehe. 
Gestern waren die Cypressen noch Orangen. Heute ist 
deren leuchtende Farbe auf die reiche Damengruppe über- 
gegangen und dort noch verstärkt: die eine ist zinnoberrot (die 
reine Farbe noch gesteigert durch allerlei Pelzbesatz), die andere 
in festes, voller goldiger Lichter strahlendes Grün gekleidet  
dazwischen eine dritte in violettem Schwarz. Die Cypressen 
bleiben dabei doch noch tief leuchtend, weil dort eben stärkere, 
schärfere Gegensätze stehen  so z. B. das schmale, senkrechte 
(fast weisse) Licht (Durchblick) zwischen den Stämmen. 
In einer anderen Art Gegensatz stehen dann zu der 
heiteren, geschmückten, licht- und glanzvollen Gruppe rechts 
(prächtige Laute schlagende und singende Florentinerinnen) die 
zwei im Schatten links blumenpflückenden resp. anbietenden 
Landmädchen. 
Kreuzabnahme; Madonna etc. Bei den gegebenen 
Motiven, kam es ja gar nicht auf das Motiv an, sondern auf 
das immer neue, lebendige Verhältnis, das der jeweilige Bear- 
beiter zur lebendigen Natur zu gewinnen wusste, auf das indi- 
viduell freie künstlerische Bewusstsein, auf die Erfüllung der 
vorgeschriebenen Komposition mit Leben, Eigenem. "Da lag 
auf jedem Fussbreit vorwärts das Persönliche,  das einzig 
künstlerisch Befreiende, alles, was in Frage kam. 
(Hier wäre der „kosmischen" Motive zu gedenken, die 
immer da sind, jedem gehören  so das Tragleäid; (Sauläm) 
und Lastende,  hier das Blau und Gold der a onna, as 
immer unvergleichlich schön ist u. s. w.) 
Susanna im Bade. Er ist weder für noch gegen 
jemand. Das ist bloss seine künstlerische Freude. Da Anti- 
semitismus wittern ist Unsinn, heisst Böcklin gar nicht kennen. 
Ihm gehört alles, was für ihn aufnehmbar ist, damit basta.
        

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