Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461255
irre ich nicht: auch der ältere Plinius,  nicht gescheut, 
von mumificierten Exemplaren der Art zu berichten, welche 
als Kuriosität aus der Provinz an den Kaiserhof in Rom 
gesandt sein sollen.  Die antike Kunst ist in Vollfigur, 
Relief, Malerei überaus fruchtbar in der Darstellung dieser 
fesselnden Geschöpfe geworden; die Renaissance hat dies 
fortgesetzt und namentlich den Kentauren in ihren Quat- 
trocento-Grotesken mit einer gewissenVorliebe verwendet. 
Aber allen diesen Schöpfungen schwebt doch ein physisch 
unmögliches reines Formenideal voll jugendschönheit vor, 
weil der Nlangel an naturwissenschaftlicher Kenntnis den 
Alten jede kritische Kontrolle auf Lebensfahigkeit aus- 
schloss.   In diese Lücke ist ein kunstgeschicht- 
liches Verdienst von Böcklin eingetreten. Sein gr0ss- 
artiges Naturgefühl, sein scharf rechnender mathema- 
tischer Verstand, seine immer von sachlicher Erfahrung der 
Natur gegenüber gezügelte Phantasie haben hier etwas voll- 
kommen Neues zu Stande gebracht. Kein Geringerer 
als Carus Sterne hat in einer eigenen Studie beleuchtet, 
dass diese böcklinischen Geschöpfe auf modernem natur- 
wissenschaftlichem Boden gewachsen und dank erstaunlicher 
Kenntnis der Lebensbedingungen die ersten und bisher ein- 
zigen organisch richtigen Bildungen dieser Art in der Ge- 
schichte sind. Und das nicht allein. Böcklin hat auch ihreDa- 
seinswelt geschaffen und sie damit in ihrer Lebensweise zu- 
erst glaublich gemacht. Männer, Weiber,  Jugend, Reife, 
feist gewordenes Alter sind parallel zum Menschenleben 
mit seinen Erscheinungen gestellt,  die Kentauren, 
Pane u. s. w. sind in ihren Trieben, Bedürfnissen, in 
ihrem Gehaben gewissen typisch interessanten Erden-
        

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