Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461187
ohne Modellwahlsorge geht er heim, wo ihm in wütender 
und unaufhaltsamer Arbeitskraft das Werk aus blosser 
Erinnerung unter den Fingern wächst, bis es frei, gross- 
zügig, mühelos dasteht. 
Mit diesen dienstbaren Elementen zugleich vertieft 
sich nun auch sein Naturverhältnis. Er hat das Hellenisch- 
Römische jetzt so in sich aufgenommen und verarbeitet, 
dass er mit vollem Bewusstsein Pantheist wird. Der 
Gott begegnet ihm draussen in der Einsamkeit auf Schritt 
und Tritt,  ein Heer von Nymphen, Dryaden, Panen 
haust ihm in jedem Quell, Baum, Felsen und regt sich 
vor seinem Auge in harmlos-heiterem Daseinsglück. 
Auch der Mensch kriegt grössere, in althellenischem 
Sinne halbgöttliche Zuge bei ihm; er ist ein Ur- und 
Ideal-Mensch,  primitiv, saftig, körperhaft, animalisch, 
voll urwüchsiger Triebe,  ein nur im engsten Natur- 
Zusammenhang mögliches Lebewesen. Kommt ausser- 
halb der paar religiösen Bilder einmal ein Kulturgeschöpf 
auf einem Bilde vor, dann ist es sicher einer jener 
Schlingel von Ariostos Gnaden, für die Sichbalgen, 
Trinken, den süssen Weibern Nachstellen Lebenszweck 
ist.  Diese Geschöpfe aber gleiten fortab durch einen 
Naturrahmen, den wundersamer Tiefblick fort und fort 
schafft. Seltsam-beklommene, abenteuerliche, märchen- 
hafte, abgrundtiefe Stimmungen steigen aus der Künstler- 
seele auf die Bildtafel, dass man diese geheimnisvolle 
Gefühlswelt nur mit der von Giorgione und Rembrandt 
vergleichen kann. Diese ganze Antike ist in ihren 
von jedem Marmorkanon freienPhantasieen so Vorgeschicht- 
lich, romantisch, fast möchte man sagen bäuerisch-
        

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