Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461177
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Es ist auch sehr viel Musik fortab in seiner Kunst. Aber 
sie bleibt Malerei, und er lasst der Musik, was der 
Musik gehört, indem er musikalische Eingebungen selbst 
komponirt und andächtig auf Beethoven, Bach und 
Händel lauscht. Eine interessante Erscheinung ist dabei, 
dass er zu Wagner dasselbe Verhältnis kalter Bewunderung 
hat, das mich auch bei Klinger stets überraschte, weil 
es eigentlich kein Verhältnis ist. 
 Ein grosser, monumentaler, in rhythmisch-ge- 
bändigtei- Art ein titanischer Zug kommt über ihn. 
Musik, Dichtkunst, Malerei gehen oft nicht mehr trenn- 
bar aufs Innigste bei ihm zusammen,  sie werden zu 
einer einzigartigen Malerei, in der die Farbe sich zu 
immer grösserer Reinheit, Tiefe und Durchsichtigkeit 
steigert; er löst fast von Bild zu Bild neue Akkord- 
probleme von vorher unbekannter Kühnheit; er kriegt 
es fertig, die Lokalfarbenpracht der van Eycks, Rogiers 
van der W eyden, Wemlings mit der königlichen Sicher- 
heit eines Rubens und der geheimnissvollen Tonigkeit 
von Giorgione und Rembrandt zu einem Farbenstil 
von edeler Schönheit zu verschmelzen.    Grosse 
Gesichtspunkte in der Selbstzucht bei der Arbeit ent- 
sprechen diesem neuen grossen Zuge. Er versteht es 
zu ruhen und Wochen hindurch zu träumen,  er ver- 
mag sich unendlich lange an einem verwunschen da- 
liegenden Ort niederzulassen und so weltvergessen in 
ihn hineinzuschauen, bis ihm das Kreisen der Säfte im 
Gewächs, die Atemzüge der Erde, das Traumliicheln 
der Erinnerung in ihren Zügen oder ihr Ernst dabei 
wahrnehmbar geworden sind. Ohne Skizze, ohne Notiz,
        

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