Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461000
einem antiken Seufzer und zum Präludium der grösseren 
wToteninsels werden. Schack hat das Bild zweimal; 
ein neuer technischer Versuch bei der ersten Fassung 
schien missglückt und der Sammler wollte diese Perle 
in seiner Gallerie nicht missen. Böcklin malte das Bild 
nochmals und übermalte das Andere, das sich danach 
vortreiflich erhalten hat. Die Wiederholung ist wie immer 
bei Böcklin eine freie Neuschöpfung. Die eine Fassung 
ist zarter in der Farbe, reicher im Kleinen, duftiger, und 
daher zierlicher in ihrer Melancholie,  die Andere hat 
grössere Farbenflächen und tiefere Tönung, wodurch sie 
feierlicher und schwermütiger gestimmt ist. Spitz in's 
abendliche Meer springt eine unterhöhlte Klippe hinaus, 
auf der mitSi-iulenhallen, Figuren, blühenden Büschen, 
Springbrunnen eine antike Villa sichtbar wird. Das 
Abendrot hängt am Gebälk,  der Wind vom Meer 
beugt die Cypressen auf dein iiussersten Vorsprung und 
treibt flache graugefarbte Wellen mit weissen Rändern 
gegen den Ufersand, auf dem gedankenverloren eine ein- 
same Frau im Trauergewand sich gegen das Riff lehnt 
und in den Abend hinaussehaut. Stimmung und Linien! 
riss wölben das ganze Bild mit durchtriebenem Geschick 
um das trauernde Weib. NVas denkt sie und um was 
mag ihre Seele weinen?  so drängt sich's uns unwill- 
kürlich auf. Kein gemeines Leid wird hier still ge- 
tragen. Einer der Mensehheitsseufzer, wie grosse Dichtung 
sie in einer Iphigenie, Antigene, Penelope gebildet hat,  
eine Elegie um den Niedergang gewaltiger Zeit löst sich 
immer deutlicher heraus, je länger man in den Gegen- 
stan d 
hineinschaut.
        

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