Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460954
Das entsteht, wächst, reift scheinbar ganz unver- 
mittelt unter dem berückenden Einklang aller dieser 
mächtigen Eindrücke,   das ruft ihm in der ihm 
eigenen Weise hier in dem lieblich-lichten Thüringen die 
römische Vergangenheit Wach,   und einestags 
ist Böcklin mit der merkwürdigen Angleichungs- 
fähigkeit des Deutschen, die wir eingangs näher 
betrachteten, ein neuer Hellene geworden. Die 
Natur wird lebendig und sinnvoll um seine heirnweh- 
stille Künstlerseele,  er erlauscht in Erscheinung und 
Vorgang das geheimnisvolle NVirken unbekannter Kraft, 
 der schrille Schrei oder der Klagelaut der Kultur- 
menschheit nach dem unentweihten Einklang mit der 
Natur und der Gottheit wird in seiner Seele bald zum 
zerrissenen, bald zum gedämpften Akkordwiederhall. Und 
dies Erbe wird dem Künstler der grösste Gewinn aus 
den sonnigen Tagen von XVeimar.  
Bild um Bild nun triigt die Zeichen dieser neuen Offen- 
barung. Das erste ist von 1860 und heisst; wPan er- 
schreckt einen Hirtenß Vielleicht eine römische 
Wandererinnerung Böcklins ist der Anlass des Bildes ge- 
wesen. In mittägiger Einsamkeit war da irgendwo ein un- 
erklärbarer Laut,  das Lösen und gellende Niederklingen 
eines Steines am Felshang oder Ähnliches. Vom Hör- 
sinn eines halbwachen Abruzzenhirten gleitet es blitzschnell 
zu abergläubischen Vorstellungen und pocht an das nie 
ruhende Grauen des Naturmenschen vor dem unfassbaren 
Naturpulsschlag. Er schrickt auf; vor den verschlafenen 
Augen regt sich im Sonnengellimmer scheinbar ein naher 
Zacken; die Phantasie gestaltet ihn im Nu zum hohn-
        

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