Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460941
Aber ebenso greifbar ist auch die Rückwirkung dieser 
mathematisch-technischen Gehirnschulung auf die Künstler- 
schaft Böcklins. Der berückende, wie ein Schmetterling 
von Blüte zu Blüte gaukelnde Träumer von früher, auf 
den nur die äussere Erscheinung der Welt wirkte, vertieft 
sich; er schaut mit logischer Kraft einen gemeinsamen 
Untergrund in den Dingen; ein zusammenhängender 
litterarischer Zug geht fortab durch die YVerke, über den 
man philosophisch disputieren kann. Dazu kommt der 
ausklärende Eindruck vom gegenwärtigen Weimar,  
von dem selbstsicheren Genelli mit seinem Geist und 
seiner jupiterhaften Klarheit,  von Begas, der sich eben 
so eigen wie reif in der Antike angebaut,  von dem 
sonnigen, nie seine Grenzen überschreitenden Preller. Der 
halbitalisierte Schweizer aber mochte sich zudem ebenso 
stark als von der anmutigen Kunst des lebenden vom 
toten Weimar angezogen fühlen; so liebe Freunde ihm 
Anakreon, Theokrit, Horaz, Ovid, Ariosto längst waren, 
konnte er sich doch dem Eindruck Goethes nicht ent- 
ziehen; die Lyrik des Olympiers, sein vFaustK vielleicht 
werden auf diesem Boden in anderer und näherer YVeise 
vor dem im Denken nunmehr schärfer geschulten Geist 
lebendig: es muss eine wunderbare Stunde gewesen sein, 
da ihm als Offenbarung etwas aufging, was Goethe als 
Fähigkeit im höchsten Maasse besass,  nämlich ein Stück 
Welt als Natur, Menschen oder Ereignis still in sich auf- 
zunehmen,  es geheimnisvoll umzuschmelzen,  dann 
aber als eine allgemeingültige Wahrheit, einen Sinnspruch, 
ein Axiom in Kunstform von sich zu geben.
        

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