Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Meissner, Franz Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1460355
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461625
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Ob ihm dies und sein Entwicklungsgang bis hierher 
ins Bewusstsein trat, als er tief aufatmend Pinsel und 
Palette bei Seite legte und lange auf diese Arbeit 
schaute? Er steht geistig zu hoch, um nicht ein sicheres 
Urteil über die springenden Punkte in seinem Schaffen 
zu haben,  um nicht zu wissen: hier ist ein Punkt, 
über den du nicht mehr hinauskommst! Mag hiervon 
nicht ein intim-persönlicher Faden zu jener so bedeutsam 
abschliessenden Schöpfung mit dem Thema: wVita 
somnium brever (1888),  wdas Leben ist ein 
kurzer Trauma,  hinüberleiten? Denn bei stiller Einkehr 
schwinden die Zwischenräume und Reibungen,  müh- 
loses, wenig ausgenutztes Tagwerk scheint, was heisses 
Ringen vieler Jahrzehnte war; die goldenen Früchte im 
Korbe verraten nichts von dem langen und schwierigen 
Prozess ihres Wachstums seit dem ersten Frühlingshauch, 
 nichts auch von ihrer NVirkungskraft.  Es ist ein 
freundlicher Gedanke, einen Grossen in stiller Gelassen- 
heit also die Summe des Lebens ziehen und die Quint- 
essenz seiner innersten Art am Ende der Bahn in einem 
sonnigen Gedicht niederlegen zu sehen, das Geist vom 
Geist seiner lieblichsten Blüte, nämlich der Frühlingsbilder 
in den ersten Florentiner Jahren, ist. wVita somnium 
breverc ist ein solches Facit; dass hinter der allgemein- 
menschlichen NVahrheit eine persönliche zu suchen ist, 
dürfte mehr als eine untergeschobene Vermutung sein, 
denn der innere Zusammenhang bei jeder Handlung,  das 
planvolle, gedankenreiche, Beziehungen suchende Inein- 
anderwirken ist auch eins der stechenden Kennzeichen 
bedeutender Persönlichkeit; es wird bei ihr immer nur 
äussere, nie innere Zufälligkeiten geben.
        

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