Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1459671
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auch tadelte, ein Bild durch den Spiegel zu beurteilen; 
dadurch mache man seine Composition lahm, denn manch- 
mal beruhe der Ausdruck gerade .in Ungleichheiten; 
z. B. bei den Köpfen würde er vielleicht vieles verändern 
und berichtigen Wollen, was er so seinem Gefühl nach 
gemacht hat (wie z. B. Schiefheiten beim Lächeln). 
Böcklin hat erst die Figuren mit Kohlestrichen an- 
gelegt, diese dann zu einem dichteren Ton verwischt und 
als Grund benutzt, um mit schwarzer Kreide die Zeichnung 
zu vollenden. 
Den ersten Karton habe er zu liederlich gezeichnet, 
und dies habe ihm im Grofsen bei Erfindung der Töne 
viel Mühe gemacht. Beim Auszeichnen mit Kreide denke 
er überall schon an Farbe und hoffe das Bild schneller 
und besser vollenden zu können, wenn er eine Solide 
Grundlage für Effekt, Formen und Ausdruck habe. Auf 
den zur Pause bestimmten Karton werde er dann nur die 
Umrisse übertragen und auf Berichtigung und Veränderung 
der Formen nicht Weiter einzugehen haben. 
Eine Zeichnung mit Kreide ist viel lockerer und 
luftiger als mit Kohle, und besonders die schraftierten 
Modellierungen haben viel mehr Zartheit und Wahrheit, 
Während Kohle viel trockener, unbestimmt und Skizzen- 
hafter aussieht. Aufserdem stellt sich die Phantasie bei 
einer Kreidezeichnung eher die farbige Wirkung vor. 
Böcklin hat beim Auszeichnen mit Kreide ganz aus- 
schliefslich nur an malerische Wirkung und an den 
Ausdruck der Sache gedacht und ist nie auf scharfe 
Konturen oder auf prinzipielle genaue Strichlagen ein-
        

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