Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1459218
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Böcklin verwarf das Studium nach Photographien. 
Maler, die sich nach solchen bildeten, nähmen Vieles in 
ihre Malerei auf, das gegen alles Künstlerische und gegen 
die Natur sei; denn die Photographie giebt nichts treu 
in der Erscheinung Wieder; sie hebt unwesentliche, klein- 
"liche Geschichten hervor und läfst die Gesamtform fast 
verschwinden; sie giebt den Schatten schwarz und un- 
durchsichtig und warme Töne diesem gleich. Da. gewöhn- 
lich im Sonnenschein photographiert wird, so ist von 
Lokaltönen, von Weichheit, Breite und Einheit und gar 
von Harmonie gar nicht die Rede. 
Im Vergleich mit dem fertigen Porträt des ver- 
storbe_nen Knaben sieht man recht, wie Böcklin in der 
Wiesenquelle alle Töne noch in einem ganz mäfsigen 
Ton zurückgehalten hat. Fast nur in der Farbe hat er 
Unterschiede gesucht, obgleich er Licht- oder Schatten- 
verteilung immer im Sinne hatte. 
April 
Ueber Gleyre, von dem ein Bild hier ausgestellt 
ist: Nymphe, stehend, Rückenansicht, nackt, einem Vogel 
vorilötend. Böcklin bezeichnete ihn treffend als Philister 
und Antiquar und erwähnte: man hätte ihm zu ver- 
stehen gegeben, er hätte in seinem schnalzenden Faun 
diesen Vorwurf Gleyres benutzt. Es ist das in jeder 
Hinsicht albern. Böcklin hat das Bild vier Jahre früher 
gemalt. Uebrigens könnte man ein Motiv nicht gestohlen 
nennen, wenn es nicht in der Form kopiert ist; sonst 
wären ja alle Madonnen des Mittelalters gestohlen, Weil
        

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