Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1459206
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ist, wie auf jenen Nachbarbildern. Aber Böcklin hat 
alles, was er darstellte, von vorn herein reicher empfunden 
und mit lebhafterer Vorstellungskraft. 
I7. April 69. 
Bild des verstorbenen Knaben. Böcklin hat die 
Rosenblätter jetzt äufserst brillant hinzusetzen verstanden. 
Er hielt frische Rosenblätter dagegen und zeigte mir, wie 
grauere Stellen mit brillanteren abwechseln, und wie die 
letzteren dadurch noch lebhafter erscheinen. Beim Malen 
hat er dies nachgeahmt durch Stellen, die mit Krapp 
lasiert und durch solche, die pastos mit Weifs nachgemischt 
sind. Das gelbe Luftlicht hat er durch einen violetten 
Uebergangston mit dem zarten, graublauen Wolkenton 
vermittelt. In der Dämmerung betrachtet, erschien das 
Bild noch viel schöner, und Böcklin wünschte immer, 
diesen Effekt nachahmen zu können. Die Tiefen erhielten 
eine eigentümliche Glut  tietbraun; ebenso erschienen 
auch die Halbtöne, ohne ihr Grau zu verlieren, warm 
übergossen; die Lichttöne aber wurden kälter und zarter 
grau, und so erschien der Kopf modellierter, als er bei 
Tageslicht war. Diese Wirkung erinnerte an Murillo. 
Böcklin meinte aber, dal's bei dessen Bildern das Alter 
viel hierzu beigetragen habe, und dafs er auf ein so 
feines Abwägen der Töne kaum viel Zeit und Mühe 
verwendet habe. 
Böcklin hat im Fleisch des Knaben doch noch Gelb 
zusetzen müssen; ohne Gelb kommt man eben, so viel 
auch Gegensatzfarben helfen mögen, nicht aus.
        

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