Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1459084
321 
Grunde bald dünner, bald pastoser lasierte, bekamen sie 
ein ganz naturwahres Aussehen, da sie, wie in der Natur, 
die hintere Luft durch ihr NVeifs durchscheinen lassen. 
Böcklin sagt, er hätte das von den französischen De- 
korateurs gelernt; die hätten bei den Marmorimitationen 
auch die einfachen Flächen hingestrichen und die Adern 
erst bei mehrmaligem Uebergehendarauf gemalt und mit 
einem grofsen Borstpinsel vertrieben, wodurch sie eine 
merkwürdige Zartheit der Erscheinung erreichten. 
Böcklin hat die Luft von unten nach oben fast gar 
nicht variiert, wodurch sie schöne Sattheit und Tiefe be- 
kommen hat, ohne dafs er die höchsten Farbmittel auf- 
zubieten brauchte, ähnlich, wie die Altdeutschen die 
Farbenpracht ihrer Gewänder dadurch erreicht haben, dafs 
sie deren Farbe ganz ohne Variierung des Tones aufge- 
strichen haben. Er hat es aber gleichwohl nicht eintönig 
und leblos hingestrichcn, sondern-nach den nebenstehen- 
den Farben gestimmt, so z. B. neben dem braunen Kopf 
des Knaben links blauer, über den violetten Blumen der 
Wiese eine Spur graugrüner, über den gelben stumpf- 
violetter etc. Die Luft erhält dadurch etwas Schillerndes, 
das Auge wird geblendet und getäuscht wie durch das 
Blau des wirklichen Aethers. Böcklin äufserte, er habe 
immer beobachtet, dal's man über das Blau der Luft kein 
Urteil habe und dafs man nicht bestimmen könne, mit 
welchen Farben es nachzuahmen wäre: neben Gelb er- 
scheint es violetter, neben Rosa grünlicher u. s. w. 
Böcklin malte heute die Kindergestalten, rechts Einer 
vor dem weifslichviolett blühenden Mandelbaum. Indem 
SCHICK, BOCKLlN-TAGEBUCH 21
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.