Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1458545
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20. Januar 69. 
Anadyomene. Böcklin sagt, es sei ihm schwer 
geworden, für diesen linken Amorin die richtige Ver- 
kürzung und Farbe zu finden. Letztere müsse im Lokal- 
ton unterschieden sein von dem anderen und zurück- 
weichen und etwas luftiges Aussehen haben, damit das 
Licht der Göttin recht hervortrete. Der Teil des Schleiers, 
an dem dieser-linke Amorin zieht, ist von der Luft auch 
weniger durch sprechendes Dunkel unterschieden, als der 
andere rechte, sondern mehr durch sprechende grünblaue 
Farbe. 
Die Harmonie des Bildes bewegt sich so ent- 
schieden 'auf Blau, dafs die geringsten Nuancen und 
Farbenunterschiede zur Geltung kommen. So sieht z. B. 
ein Ton auf dem Flügel aus Ultramarin und Weifs 
violett-taubengrau auf dem (mit Gelb gebrochenen) 
Aether aus. 
Das Bild ist unglaublich hell. Die Körper hat Böcklin 
durch Lasuren mit Weifs aus einem farbigeren Lasurton 
herausmodelliert. Das Bild sei so hell, dafs es unmöglich wäre, 
ein brillantes Rot einzuführen. So würde z. B. Zinnober- 
rot als Schatten und ziemlich starkes Dunkel wirken. 
Böcklin hat mit Zinnober bei den Putten die Dunkelheiten 
gemalt (in Auge, Mund, Nasenloch, Ohr u. s.  und er 
wirkt dunkel und stumpf wie Morellensalz. Böcklin meinte, 
wenn helles Rot herausleuchten solle, so hätte er überall 
das Licht des Fleisches herabstimmen müssen. 
Böcklin bereut bei der Gipsleinwand der Anadyomene 
die Kohlenstriche der Aufzeichnung fixiert zu haben.
        

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