Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455939
zeigte mir, was er für Zeitverstöfse gemacht habe, indem 
er Frühlings- und Herbstblumen zusammengestellt habe, _etc. 
März 
Böcklin hat Daphnis und Amaryllis, nachdem er 
fast zwei Monate stumpf und kalt gemalt hatte, etwas lasiert; 
dann aber Wieder in das Fleisch kältere Lichter hinein- 
gespielt (durch Weifs und grüne Erde, damit das weifse 
Ueberschummern nicht violett wirke, wozu es auf dunkelm 
Grund fast immer Neigung hatte). Das Bild wirkt nun 
wundervoll sanft. 
Obwohl die Figur des Daphnis nur etwa dreiviertel 
lebensgrofs ist (oder noch kleiner), so wirkte sie dennoch 
vollständig lebensgrofs, weil alle Verhältnisse im Bilde richtig 
sind. Böcklin hielt ein Epheublatt gegen die gemalten, 
und es war Wirklich zu bewundern, wie genau dieser Drei- 
Viertel-Mafsstab bei allen Teilen durchgeführt war. Die 
blaue Luft mit weifsen wVolken hat er gaynz leise mit 
Schwarz und Weifs lasiert, wodurch das Blau mehr Blau- 
violett, der helle Schatten der NVolken aber etwas weifs 
durchschimmerte. Böcklin meinte, wenn Alles im Bilde 
falsch wäre, für dieses Verhältnis von Luft und Wolke 
Wolle er stehen, denn es sei auf demselben Wege wie in 
der Natur hergestellt. Ueber dem Kopfe des Daphnis 
stehen einige Blätter scharf gegen weifsen Cirrostratus; 
damit dieser Kontrast nun seine ferne Stelle im Bilde be- 
hält, hat er etwas entfernt davon ein weifses helles Wölk- 
chen angebracht, gegen welches die Luft neben den Blättern 
zweite Helligkeit ist.
        

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