Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tagebuch-Aufzeichnungen aus den Jahren 1866, 1868, 1869 über Arnold Böcklin
Person:
Schick, Rudolf Tschudi, Hugo von Flaischlen, Cäsar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1455502
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1458083
24. November 68. 
Er sagte, er hätte in der Nacht im Halbwachen fast 
wie in einer Vision das Bild ganz klar im Geiste gesehen, 
wie es werden müfste: um die brillant gemalte Figur 
farbig warm und körperhaft die Kindergestalten, die Wolken 
selbst brauchen nicht zu prätendieren, Wirkliche Wolken 
täuschend darzustellen, da sie ja mit den Figuren nur das 
Symbol von Wolken. So, wie er Putten und Wolken 
zuerst beabsichtigt hatte, würden sie ihm zu kalt, schaurig 
und geisterhaft werden (wenn er sie nämlich zu sehr in 
dem mittelgraublauen Luftton hielte). 
Er war heute (Dienstag) zu Bekannten zum Essen ge- 
laden und ärgerte sich nachher, dadurch zu viel Zeit ver- 
loren zu haben. Er würde während solcher Arbeit nie 
wieder darauf eingehen, eher Frühstück mitnehmen und 
es auf dem Münsterplatz oder der Pfalz verzehren. Man 
risse sich sonst aus seiner Zauberwelt und verliere den 
Faden. 
Er sagte dann noch: er hätte beim David Erfahrungen 
gemacht und würde in Zukunft mit den reinen Farben 
vorsichtig sein. Er wollte alles mit kalkgemischten Farben 
beginnen, auch das rote Gewand der Magna parens erst 
in dem Sinne durchmodellieren, damit alles binde, und 
dann ganz dünn mit etwas reinem Rot darüber lasieren. 
(Beim Mantel des David waren nämlich viele Stellen in den 
Schatten, WO das rote Eisen-Oxyd rein und reichlich auf- 
gesetzt war, nicht ganz fixiert). Auch das Schwarz der 
Harfe liefs sich noch abwischen; in beiden Fällen ver- 
mutlich wegen zu viel überschüssiger Farbe.
        

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